Film Neu im Kino

Leere Poesie mit Flüsterstimme: "Atlantic"

Lexikon | SZ | aus FALTER 35/15 vom 26.08.2015

In einem Dorf an der marokkanischen Atlantikküste wohnt der Fischer Fettah: Mit seinem Vater teilt er ein Heim, mit den Touristen die Leidenschaft für das Windsurfen. Voll Sehnsucht nach einem anderen Leben beschließt er, auf seinem Surfbrett die Überfahrt nach Europa zu wagen.

Jan-Willem van Ewijks Drama "Atlantic" wechselt zwischen Fettahs Reise und seinem vormaligen Leben. Langsam enthüllt sich ein Bild der dörflichen Verhältnisse sowie der Faszination für die Holländerin Alexandra, die Fettah die Herzensruhe raubt. Die Gedanken des Protagonisten offenbart dabei eine Flüsterstimme: Sie streift eine Familientragödie, stellt rhetorische Fragen, transportiert spirituelle Gefühle. In Kombination mit den kunstvollen Aufnahmen des Meeres, des Dorfes, der Fremde verschreibt "Atlantic" sich damit gänzlich einer melancholischen Poesie (die auch der Grund ist, warum irrt, wer ein Werk zur aktuellen Flüchtlingskrise erwartet).

Diese Poesie erscheint jedoch nicht nur leer, weil vieles in Andeutungen stecken bleibt: Auch die zentrale Entscheidung, in einem solch waghalsigen Vorhaben sein Leben zu riskieren, ist kaum nachvollziehbar.

Bereits im Kino (bis 27.8. im Village, OmU)


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