Mediaforschung Verführungskolumne

Wiener SPÖ im Wahlkampf: Zweifelhafte Selbstkasteiung

Medien | Stefanie Panzenböck | aus FALTER 35/15 vom 26.08.2015

Eigentlich sollte man sich als wählende Bürgerin freuen, wenn etwas Selbstkritik in die Politik einzieht. Wie etwa auf den aktuellen Wahlkampfplakaten der Wiener SPÖ.

Unter dem Porträt einer jungen Frau mit Kopfhörern ist etwa zu lesen: "Wien ist einfach eine coole Stadt. Aber ohne Lehrplatz bringt dir das genau gar nix." Das Bild eines älteren Mannes ist mit: "Was zählt es in der besten Stadt der Welt zu leben, wennst an Bammel vor der Zukunft hast?" versehen. In wenigen Tagen werden wir die versprochene Auflösung lesen können und erfahren, was die SPÖ in Wien alles Gute erreicht hat und wie großartig die Stadt ist.

Politische Gegner und viele Twitteranten hatten für diese Sujets naturgemäß nur Spott übrig: Man ortete eine SPÖ, die sich selbst die Opposition macht, oder eine, die schlicht ihre Unfähigkeit eingesteht. Die Neos reagierten flink und präsentierten Plakate, die links den SPÖ-Spruch zeigen und rechts auf pinkem Grund: "Echte Veränderung für Österreich".

Die SPÖ hat sich mit ihren Slogans keinen Gefallen getan: Sie stellen Wien auf den ersten Blick - und nur auf den kommt es bei Plakaten an - ein viel zu schlechtes Zeugnis aus. Zudem kommt diese Art der Selbstkasteiung nach 21 Jahren, zum Großteil alleinregierend, an der Macht schlicht zu spät. Trost von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, dass es so mies auch wieder nicht aussieht, ist nicht zu erwarten. Auch die Wählerstimmen aus Mitleid werden ausbleiben. Gefragt sind neue Ideen. Vor allem nach 21 Jahren.


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