Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Des isch doch allerhand!

Steiermark | aus FALTER 35/15 vom 26.08.2015

Andreas Gabalier hat die Gunst der Stunde genützt. Die Wanderung der Völker, von der manche die Heimat bedroht sehen, und die politische Korrektheit, die es früher, als alles besser war, auch noch nicht gegeben hat -nicht zuletzt durch das Bedienen von Chauvinismen wurde der steirische Musikant ganz nach oben gespült. Nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland.

Deshalb macht er jetzt Werbung für einen deutschen Milchproduktekonzern. Die Kampagne ist eben in Österreich angelaufen. Ein Werbesujet etwa zeigt Gabalier, wie er Buttermilchplastikflaschen in seinen Armen wiegt, als seien sie der frische Wurf einer glücklichen Bauernkatze. Wenn einer den Eindruck erweckt, als wäre er eben in einen Kuhfladen gestapft, lässt sich das gut verkaufen - es vermittelt Naturverbundenheit und hoppla, in dem Fall keinen Patriotismus .Dem österreichischen Bauernbund ist wegen der Werbekampagne das Milchhäferl übergegangen -wie kann es sein, dass ein "gstandener Patriot" die Produkte eines deutschen Konzerns anpreist?

Der Bauernbund versucht also, Gabalier mit seinem eigenen Schmäh zu nehmen. Das ist um nichts weniger perfide, fügt sich aber harmonisch in den Chor der verstellten Stimmen. Doch der Mann steht fest auf seiner Scholle - er fordert nun eine Entschuldigung, "wie es sich unter Bauern gehört", und verteidigt klischeetrunken seine Rolle als Botschafter heimischländlicher Idylle: "Ich singe aufgrund schönster Kindheitserinnerungen bei meinen Großeltern am Land von Bergbauernbuam." Dann weiß er, dass man den Euter melkt, solange er prall ist. Die Kuh steht halt in diesem Fall - des isch doch allerhand - im Schwabenland.

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


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