Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Was Gott schuf

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 35/15 vom 26.08.2015

Da war die Hölle los im Falter. Erstens präsentierte sich Thomas Rottenberg nackt, die Scham nur von einem Hanfblatt bedeckt, auf dem Cover. "Legalize it" war nur ein Vorwand für den stolzen Tom, dem Publikum seinen getrimmten und im Lauf der Jahre an Muskelmasse ungefähr aufs Doppelte angewachsenen Body zu zeigen. Haben wir gern gemacht.

Windows 95 wurde präsentiert, und der Falter war mit Tipps von Michael Nobbe, dem Herausgeber des Computermagazins Monitor zur Stelle ("ein schneller 486er sollte es schon sein, so ab 66 MHz. Alles darunter, vor allem 386er Methusalems, ist einfach zu alt "). Thomas Seifert trug zum "in der Computerindustrie einmaligen Medienrummel" bei und interviewte Egon Salmutter, Geschäftsführer von Microsoft Österreich, der verriet, wo Bill Gates das neue Betriebssystem präsentieren ließ: "Wir haben lange hin und her überlegt, wie wir den Start von Windows 95 in Österreich in einen gesellschaftlichen Rahmen einbetten können. Microsoft wird eine Spende für den Stephansdom leisten. Am Dachboden des Doms werden wir unseren wichtigsten Kunden, unseren Partnern und der Presse das Produkt präsentieren."

Der Falter hätte Gottes Hilfe diese Woche gut brauchen können, wie einer Intern-Meldung der stellvertretenden Chefredakteurin Doris Knecht zu entnehmen war: "Als Erstes ist Ihnen aufgefallen, dass sich das Programm nicht aus dem Falter nehmen ließ. Als Zweites wunderten Sie sich über die vier ganzseitigen Eigeninserate am Ende des Heftes. Drittens fanden Sie das Layout der Presseschau ganz schön mutig. Viertens riefen Sie bei Mario Soldo an, um sich ihm für ,3000 Blaue pro Nacht' als Gogo-Girl anzubieten. Allerdings kam Ihnen das Foto auf Seite 20 wenig indisch vor, überraschte Sie aber sechsten die Ankündigung, R.E.M., die Cranberries und Belly gastierten diese Woche im Bach "

Und so weiter. Punkt 1 und 2 erklärten sich aus Kommunikationsproblemen mit der Druckerei. Der Rest war ebenfalls menschliches Versagen. Wir schämten und entschuldigten uns.


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