Innenansichten der Unterwelt

Genrekino und mehr: Das Filmmuseum erkundet Klassiker des französischen Kriminalfilms

Feuilleton | Filmgeschichte: Gerhard Midding | aus FALTER 35/15 vom 26.08.2015

Im Film "Der Engel, der ein Teufel war" betreibt Jean Gabin ein Feinschmeckerlokal im Viertel der Pariser Markthallen. Es heißt "Le Rendezvous des innocents", doch einen Unschuldigen wird man in Julien Duviviers Meisterwerk schwerlich finden. Überhaupt sind die Unbescholtenen dünn gesät in der zweigeteilten Retrospektive, die das Wiener Filmmuseum in diesem und im Herbst nächsten Jahres zeigt. Sie führt in ein Labyrinth der Verstrickungen, aus dem es kein Entkommen gibt.

Im französischen Kriminalfilm (umgangssprachlich: Polar) herrscht ein erhabener Pessimismus. Er entwirft eine schillernde Galerie der Scheiternden und Gestrauchelten. Gleichviel, ob die Figuren ein Verbrechen kaltblütig oder aus Affekt begehen, stets werden sie korrumpiert von den Verhältnissen.

Die Epoche von 1930 bis 1960, der sich das Filmmuseum zunächst widmet, könnte man mit Claude Chabrol "le temps Simenon" nennen. Die Verfilmungen von Georges Simenons Romanen summieren sich zu einer Sozialgeschichte Frankreichs.


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