Kommentar Asyl

Wien zeigt's: Vor Strache muss man sich nicht zu Tode fürchten

Falter & Meinung | Nina Horaczek | aus FALTER 35/15 vom 26.08.2015

Der Bürgermeister holt Flüchtlingsfamilien aus Traiskirchen nach Wien. Die Sozialstadträtin besucht mit Flüchtlingskindern das Planetarium. In Erdberg organisiert der Bildungsstadtrat mit NGOs ein Beschäftigungsprogramm für jugendliche Flüchtlinge, damit sie Deutsch lernen und keinen Lagerkoller bekommen.

Mit dieser Politik gewinnt man hierzulande nicht unbedingt Stimmen. Das weiß auch Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ). Also ist dieses Engagement der Stadt ein Zeichen, dass es in der Politik nicht nur um das Schielen auf Umfrageergebnisse gehen muss. Sondern dass Politiker auch Haltung zeigen können.

Die Asylpolitik von Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) ist die Antipode zu FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der in Wien bereits den "Asylnotstand" sehen will.

Der Kurs der Wiener SPÖ ist in diesem Punkt menschlich sympathisch. Vielleicht ist auch Kalkül dabei. Die FPÖ wie im Burgenland rechts überholen, das kann die SPÖ hier nicht. Das würde die Wiener Roten zerreißen. Also bleibt Häupl nur, zu zeigen, dass Wien im Gegensatz zum Bund kein Flüchtlingsproblem hat. Während in Traiskirchen eine kleine Dritte Welt in Österreich entsteht, sitzen in Wien die Flüchtlinge im Deutschkurs und sind ordentlich untergebracht - und kein Wiener muss sich darüber aufregen, dass Asylwerber obdachlos in den Parks herumliegen.

Damit wird die SPÖ die FPÖ kaum stoppen. Aber es könnte die Asyldebatte im Wiener Wahlkampf zumindest entschärfen. Und noch etwas zeigt der Bürgermeister mit dieser Unterstützung von Flüchtlingen: dass er sich, im Gegensatz zu anderen in seiner Partei, vor Strache noch nicht zu Tode gefürchtet hat.


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