Tiere

Sommerspaß

Peter Iwaniewicz hofft, dass diese Antwort auf eine Leserfrage wertschätzend genug formuliert war

Falters Zoo | aus FALTER 35/15 vom 26.08.2015


Ende August sind Texte über Wespen höchste Kolumnistenpflicht. Birgit aus Brüssel hat eine sowohl zoologische als auch gastronomische Beobachtung gemacht, die grundlegende Fragen der Existenz berührt: „Bei unserem letzten Österreich-Aufenthalt konnten wir zweimal beobachten, wie eine Wespe in das Essiggemisch eines Wurstsalats fiel, sich wieder heraus-‚wurstelte‘ und kurze Zeit später verendete. Ein anderes Mal kroch eine Wespe nach dem Essigbad auf einem Salatblatt hoch und plötzlich – als ob sie einen Herzinfarkt hätte – fiel sie um und war mausetot. Bedeutet das, dass Essig für Wespen tödlich giftig ist? Wenn ja, dann könnte man Essig in eine Spritzflasche füllen und bei Bedarf die Wespen damit besprühen …?“

Nur derbe Menschen würden sich über eine solche Frage lustig machen. Zum einen ist es eine solide Naturbeobachtung auch der kleinen Dinge dieser Welt, die dem humanistischen Prinzip „Natura in minima maxima“ (Die Natur ist in den kleinsten Dingen am größten) entsprechen. Und es wird auch sofort eine praxisgerechte Anwendung für diese Erkenntnis mitgedacht. Also verdient diese Frage eine differenzierte Antwort.

Schuld für diese Verwirrung sind eindeutig parareligiöse Foodies mit ihrer Balsamicoanbetung! Auch wenn Lambruscotrauben über Jahre in verschiedenen Holzfässern vergoren werden, ist Essig weiterhin eine Säure mit einem respektablen pH-Wert von 3 und keine Hautpflegecreme. Eine Wespe, die in ein Gemisch aus klebrigem Öl und dieser Säure fällt, hat nur mehr eine kurze Restlebenszeit vor sich. Essig dringt in die über den Körper verteilten Tracheenöffnungen ein, stoppt damit die Luftzufuhr und verätzt die Atemröhren. Öl auf den Fühlern, lässt Insekten quasi sofort erblinden und verklebt ihre filigranen Flügel.

Herzinfarkt bei Insekten ist als Todesursache wissenschaftlich nicht so gut erforscht, ich tendiere bei diesem Fall eher für multiples Organversagen. Die Beschreibung, dass die Wespe „mausetot“ umfiel, verdient aber zumindest einen Zwischenapplaus für paradoxe Formulierungen.

Zur Praxis des Nahkampfs bei Grillpartys: Ich bin zwar kein Unterstützer der US-amerikanischen National Rifle Organisation, finde aber, dass man Freiluftveranstaltungen durchaus bewaffnet mit einer Essigsprühkanone besuchen sollte. Das klingt nach viel Spaß, und nach dem ersten Essig-Bindehaut-Kontakt sieht jeder ein, dass auch Balsamico eine Säure ist.


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