Enthusiasmuskolumne Diesmal: das beste Joghurt der Welt der Woche

Crema Dolce aus St. Urban zum Niederknien

Feuilleton | Barbara Tóth | aus FALTER 35/15 vom 26.08.2015

Es gibt Speisen, die man im Urlaub liebte, die aber im Alltag einfach nicht mehr funktionieren. Der griechische Anis-Fenchel-Schnaps Ouzo ist der Klassiker dieses Phänomens. Bei griechischem Joghurt war es ähnlich. Es schmeckte mit Blick aufs Meer unvergleichlich gut, zu Hause dann nur so naja.

Die Entdeckung des zu Ende gehenden Sommers ist feinstes Joghurt aus der Heimat. Es kommt vom Kärntner Biobauern Christoph Höfer aus St. Urban. Wer an den Kärntner Seen urlaubt und dabei die Biomärkte in Klagenfurt, Villach, St. Veit oder Feldkirchen besucht, kann an Höfers großen, kleinen und ganz kleinen Gläsern (namens "i-Tüpferl") mit silbernem oder schwarzem Schraubverschluss nicht vorbei.

Die Höfers machen einfach alles richtig. Ihr Joghurt ist extra cremig und dicht gerührt, sie geben nur Dinge dazu, die auch hier wachsen, wie Holunderblüte, Holunderbeere, Erdbeere, Himbeere und Marille. Was ihre Tiroler Grauvieher an Milch hergeben, schmeckt grasig, würzig und vor allem sehr frisch - auch weil es aus dem Glas kommt und nicht aus einem Plastikbecher. Ihre "Crema Dolce", eine Joghurt-Gervais-Creme mit Zitronenzesten, ist sowieso zum Niederknien.

Die Höfers sind Aussteiger der neuen Generation. Biobauern aus Berufung. Der gebürtige Münchner Höfer studierte Psychologie und Erziehungswissenschaften, machte eine Sennerausbildung in der Schweiz und die Landwirtschaftsmeisterprüfung. 2010 begann er mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Söhnen, den Hof in St. Urban zu bewirtschaften, 2011 gab's gleich einmal sieben Medaillen für seinen Käse.

Zum Glück gibt es Höfers Joghurt auch in Wien, beim Bäcker Joseph in der Naglergasse. Leider muss ich eingestehen, in Kärnten schmeckt es am besten.


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