Proletenpassion ohne Aussicht auf Erlösung

Der trostloseste Roman der österreichischen Nachkriegsliteratur, neu aufgelegt: Gernot Wolfgrubers "Herrenjahre"


Lektüre: Klaus Nüchtern
Feuilleton | aus FALTER 35/15 vom 26.08.2015

Es ist erstaunlich, wie lange 40 Jahre zurückliegen können. Franz Innerhofers "Schöne Tage" (1974), Gernot Wolfgrubers "Auf freiem Fuß" (1975) und Thomas Bernhards "Der Keller" (1976) lesen sich heute wie Berichte aus einer längst versunkenen Epoche. Alle drei Werke haben das Aufeinanderprallen von Adoleszenz und Arbeitswelt zum Thema, und ihre Lektüre sei allen jenen ans Herz gelegt, die in ihrer Kritik am Selbstdisziplinierungsregime des Neoliberalismus meinen, früher sei es irgendwie besser, weil durchschaubarer gewesen.

1976 legte Wolfgruber seinen Roman "Herrenjahre" nach. Dergleichen lief seinerzeit unter "Literatur der Arbeitswelt" und wurde unter der fragwürdigen Formel "Negative Heimatliteratur" zu einem Exportartikel, der Österreichs Ruf als Epizentrum des Miserabilismus festigte, noch lange bevor dieser durch die Feel-bad-Movies von Haneke, Seidl & Co endgültig einzementiert wurde.

Die "Herrenjahre" sind Hardcore - allerdings abseits jeglichen nihilistischen verzweiflungsfrohen

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