Kunst Kritik

Wenn Filzstifte Schlagzeug spielen

Lexikon | MD | aus FALTER 35/15 vom 26.08.2015

Der rumänische Künstler Dan Perjovschi streicht den Begriff "KUNST" durch und schreibt darunter "KOONS" auf die Wand. Mit seinen Wortspielen und politischen Cartoons nimmt Perjovschi die Umgebung aufs Korn. Ob er die gastgebende Institution selbst meint, wenn er "The Politics of Melange" auf die Ausstellungswand der Albertina schreibt?

Die Kuratorin Elsy Lahner stellte unter dem Titel "Drawing Now" eine Auswahl von Zeichnungen zusammen. Der Titel zitiert die gleichnamige Ausstellung im New Yorker Museum moderner Kunst (Moma) vor 40 Jahren. Von der Aufgabe des Darstellens befreit, konnte sich die Zeichnung frei entfalten - etwa als Konzeptskizze oder als Relikt einer Performance. Diese Freiheit ist auch in der Albertina-Schau zu spüren. Das Spektrum aktueller Zeichenkunst reicht von abstrakt bis gegenständlich, von klein bis monumental. Das schließt auch bewusste Rückgriffe auf die Konventionen nicht aus: Olga Chernysheva zeichnet in der Tradition des sozialistischen Realismus Obdachlose auf Moskaus Straßen, das Künstlerpaar Muntean/Rosenblum kombiniert Jugendkultur mit Malweisen der Renaissance. David Shrigley reduziert Comics: Sein Kurzfilm "Headless Drummer" zaubert aus wenigen Strichen das Solo eines Schlagzeugers. Die Ausstellung ist in Kapitel unterteilt: Die Wandarbeit von Dan Perjovschi ist dem Abschnitt "Kommunikationsmittel" zugeordnet, Muntean/Rosenblum den "Erzählungen".

Ein Manko von "Drawing Now" ist die zu dichte Hängung, die an eine Kunstmesse erinnert. Während die Moma-Ausstellung an die Debatte über den Umgang mit Tradition anschloss, gibt die Albertina vor allem einen Überblick über ein expandierendes Marktsegment. Die Zeichnung ist mit 30 Prozent Anteil bei Kunstauktionen nach der Malerei (50 Prozent) das zweigrößte Segment.

Albertina, bis 11.10.


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