Sie will nicht zurück

Die ungarische Polizei beschimpft, schlägt und misshandelt Flüchtlinge. Trotzdem schiebt Österreich noch immer Menschen nach Ungarn zurück. Die Geschichte der Familie Sharani

Steiermark | Grenzgang: Lukas Matzinger | aus FALTER 36/15 vom 02.09.2015


Foto: J.J. Kucek

Foto: J.J. Kucek

Als die Grazer Übersetzerin den Brief des Innenministeriums vorliest, beginnt die kleine Farah fürchterlich zu weinen. Große Tränen kullern aus ihren haselnussbraunen Augen, sie weint ganz leise. Ein Abgleich der Fingerabdrücke habe ergeben, dass Farah und ihre Familie auf ihrer Flucht bereits in Ungarn registriert wurden, übersetzt die Frau. Deshalb werden sie nun wieder dorthin zurückgeschoben. Farah schnappt nach Luft und gräbt sich mit dem Kopf unter die Achsel ihrer Mutter. Sie will nicht zurück nach Ungarn. Dort hat sie Schlimmes erlebt.

Farah und ihre Familie sind über Serbien nach Ungarn gekommen – das glaubt jedenfalls Oleana, ihre Mutter. So genau weiß sie das nicht, darüber haben die Schlepper nie gesprochen. Und die ersten Einheimischen, die sie zu sehen bekommen hat, waren ungarische Polizisten. In einer Juninacht, irgendwo auf dem Weg zwischen den Welten, hat es die Familie über die EU-Grenze geschafft, dort hat sie eine ungarische Streife angetroffen. Doch das Ziel ihrer Reise hatte sie sich anders vorgestellt.


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