Film Neu im Kino

Blick durch die Küchentür: "Der Sommer mit Mamã"

Lexikon | Vanessa Scharrer | aus FALTER 36/15 vom 02.09.2015

Ein großes Haus mit Swimmingpool und Garten im heißen São Paulo, das klingt nach einem Platz, an dem es sich aushalten lässt. Aber der Luxus des einen ist die Arbeit des anderen und mit unsichtbaren Mauern geschützt. Eine dreiköpfige Familie bewohnt das Haus zusammen mit Haushälterin und Kindermädchen Val, die mit der Zeit zu einem unersetzlichen Teil der Familie wurde - und doch wieder nicht.

Dieses schwierige Verhältnis stellt Anna Muylaert im Film "Der Sommer mit Mamã" einfühlsam und gleichzeitig ironisch dar. Das Angestelltenverhältnis hat sich über die Jahre scheinbar gelockert, aber die ungeschriebenen Regeln -nicht in den Pool gehen, nicht am gleichen Tisch essen wie die Familie und alle höflichen Angebote, die von dieser Seite gemacht werden, ausschlagen - bestehen dennoch. Muylaert stellt diese Regeln oftmals mit der Perspektive durch die Küchentür dar. Die beiden Welten scheinen so nahe und doch getrennt, denn hinter der Küche endet die Freiheit von Val.

Das alles ändert sich, als ihre Tochter Jéssica auftaucht, sie sprengt die Mauern. Sie musste zurückgelassen werden, weil Val nur in der Großstadt Geld verdienen konnte. Jéssica ist mit diesen Regeln nicht vertraut und bringt teils durch Unwissenheit, teils aus Trotz Vals Leben durcheinander.

Der Film erzählt davon in entspanntem Ton, selbst als sich am Ende die Familien wieder trennen. Was die zwischenmenschlichen Verhältnisse betrifft, besticht die Schauspielerin Regina Casé in der Rolle als Val. Sie ist das Highlight des Films. Mutig überwindet sie ihre Naivität und Unterwürfigkeit, um sich ihren Wunsch erfüllen und mehr Zeit mit Jéssica verbringen zu können. Verbildlicht wird das damit, dass Val in den Pool steigt, der ihr all die Jahre verboten blieb.

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