Des Künstlers kleines Ich-bin-ich. Zum 30-jährigen Bestehen der Galerie Lendl

Lexikon | Kunstkritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 36/15 vom 02.09.2015

Für den dritten Teil der Ausstellungsreihe "3 x 3", mit der die Galerie Eugen Lendl ihr 30-jähriges Bestehen feiert, hat Gastkurator Julien Robson drei Positionen zusammengebracht, die sich sinnigerweise mit der Aktualität des Genres Selbstporträt auseinandersetzen. Die Ausstellung "Me, Myself and I" fokussiert dabei die Dreiteilung, die ein Künstler - als Autor, Motiv und Projektionsfläche - seiner Selbstdarstellung schuldet, und den im Titel gleichfalls anklingenden Hang zur Manie, welchen ein Sich-selbst-Umkreisen nur allzu gerne mit sich bringt.

Dank technischer Unterstützung hat sich daraus mit dem Selfie ja sogar ein neues Bildgenre entwickelt. 10.000 davon hat Louis Zoellar Bickett in letzter Zeit aufgenommen. Sie sind Teil seines seit 1972 anwachsenden, der totalen Selbstdarstellung gewidmeten Archivs sowie der Arbeit "In the Dream I was Beautiful and Everyone Loved Me", die alle Aufnahmen am Tablet präsentiert. Formal strenger fallen die Serien seiner "Wal-Mart-Self-Portraits" aus, in denen er sich mit wechselnder Kopfbedeckung vor die obligate US-Flagge stellt und mit kulturellen Selbst- und Fremdbildern spielt. Auch Julius Deutschbauer verknüpft Selbstdarstellungsmanie mit politischem Inhalt, schlüpft (zumeist auf dem Plakat) in unterschiedliche Rollen, um zu gesellschaftspolitischen Themen Stellung zu beziehen. Am leisesten, doch eindruckvollsten hat aber Jemima Stehli das Selbstbildnis durchdekliniert: Ihre Polaroids sind nicht nur typisch unscharf, sie verwischen auch die Rollen von Künstlerin und Modell sowie die Grenzen von Raum und Zeit.

Galerie Eugen Lendl, Graz, bis 19.9.


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