She has a glorious Hinterteil, but this novel ain't really geil

Martin Amis' Nazi-Roman "Interessengebiet" mixt Fakten und Fiktion, erscheint aber nicht im angestammten Verlag. Skandal? Ach, wo!

Feuilleton | Buchkritik: Klaus Nüchtern | aus FALTER 36/15 vom 02.09.2015

Fickende Nazis gehen immer. Noch besser sind Arsch- und Schwesternficker. Die hat Jonathan Littell mit seiner 2006 im französischen Original erschienenen Schwarte "Die Wohlgesinnten" allerdings schon "weggeschrieben", sodass der Brite Martin Amis die Tabuüberschreitungsschraube nicht wirklich noch weiter drehen konnte. "Littell kann man nicht überlittelln", mag er sich gedacht haben und hat bei "Interessengebiet" die Kombination historischer mit erfundenen Persönlichkeiten sowie die Täterperspektive übernommen, es aber bei 400 Seiten bewenden lassen. Und beim Sex scheint ihn der Ehrgeiz überhaupt sehr schnell verlassen zu haben.

Dabei beginnt es eigentlich recht vielversprechend. Ein gewisser Golo Thomsen, ein Neffe von Reichsminister Martin Bormann - 1,90 groß, frostig weißes Haar, aggressives Kinn und "Schenkel massiv wie Schiffsmasten" - hat ein Auge auf Hannah geworfen. Die ist die Frau von Paul Doll, dem KZ-Kommandanten und entspricht "dem völkischen Ideal junger Weiblichkeit."


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