Film Neu im Kino

Herzbersten: Die Tragikomödie "Frank"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 36/15 vom 02.09.2015

Der junge englische Musiker Jon arbeitet hart an seinen Songs. So jedenfalls stellt er es auf Twitter dar, denn tatsächlich will die Inspiration des Keyboarders, der einen langweiligen Bürojob hat, nicht fließen. Plötzlich wird er allerdings in der experimentellen Band Soronprfbs engagiert, deren Leadsänger Frank einen überdimensionalen Pappmaschee-Kopf trägt. Er begleitet die fünfköpfige Truppe zur Arbeit an einem Album in die Einöde Irlands: Hier erfährt er nicht nur, dass mehrere Bandmitglieder sich in der Psychiatrie kennengelernt haben und Frank, ein genialer Musiker, seinen Kopf nie abnimmt. Er versucht, seine Bandmitglieder auch dazu zu überreden, nach Popularität zu streben.

Lenny Abrahamsons Tragikomödie "Frank" nimmt Anleihen am Leben realer Musiker: Er ist dem "Außenseiterspirit" Chris Sieveys gewidmet, der als Kunstfigur Frank Sidebottom mit einem Pappmaschee-Kopf auftrat, sowie durch Daniel Johnston inspiriert, dessen psychische Krankheit dem großen Durchbruch stets im Weg stand.

Abrahamson erzählt die Geschichte, eine Art musikalisch-düstere Schwester von "Little Miss Sunshine" - statt zum Schönheitswettbewerb geht es zum USA-Gig mit Fans des Soronprfbs-Youtube-Channels, den Jon eingerichtet hat -leichtfüßig und mit schwarzem Humor. Gleichzeitig transportiert er seinen Themenreichtum - von Kreativität und Talent über psychische Beeinträchtigung bis zum Wunsch nach Ruhm und Anerkennung - mit Feingefühl und Tiefgang. Als Schauspieler und Musiker sind Domhnall Gleeson (Jon), Michael Fassbender (Frank) und Maggie Gyllenhall wunderbar besetzt. Ein großer Indie-Film bis zum Schluss: In der letzten Szene durchmischt sich eine solche Fülle an Emotionen, dass auch dem Publikum fast das Herz birst.

Ab Fr im Kino (OmU im Artis, Gartenbau, Votiv)


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