Krieg & Frieden: Maja Haderlaps Roman "Engel des Vergessens" als Theaterstück


Vorschau: Sara Schausberger
Feuilleton | aus FALTER 36/15 vom 02.09.2015

Auch im Frieden herrscht noch Krieg, wenn die Großmutter nicht aufhören kann, vom Lager zu sprechen, und der Vater wieder einmal mit dem Gewehr loszieht, um sich umzubringen.

In ihrem Roman "Engel des Vergessens" erzählt die Bachmann-Preisträgerin Maja Haderlap die Geschichte ihrer Kindheit. Aufgewachsen ist sie in den 60er-Jahren auf einem Bauernhof nahe der slowenischen Grenze. Sie ist ein von den Ängsten der Großmutter, des Vaters, der Verwandten und der Nachbarn traumatisiertes Kind. Als Kärntner Slowenen schlossen sie sich während des Zweiten Weltkriegs zu Partisanen zusammen, um gegen das deutsche Militär Widerstand zu leisten.

Die Großmutter landete im Internierungslager Ravensbrück, der Vater wurde als Zwölfjähriger von den Nazis gefoltert. Und auch nach dem Krieg bekommt die Minderheit die Ablehnung der Umgebung zu spüren. Das Kind rekapituliert die Erzählungen, die es hört, in kleinen poetischen Miniaturen.

"Die Katastrophen auf der Bühne sind begrenzt", schreibt Haderlap, die in Wien Theaterwissenschaften studierte und 15 Jahre lang Chefdramaturgin am Stadttheater Klagenfurt war. Die Bühne könnte für sie ein Raum werden, wo sie "allen Verzweiflungen und Verstrickungen gefahrlos begegnen würde". Jetzt wird "Engel des Vergessens" im Akademietheater auf die Bühne gebracht, die Theaterfassung hat die Autorin selbst zusammen mit dem Regisseur Georg Schmiedleitner geschrieben.

Die Geschichte der Kärntner Slowenen wird in der Literatur wenig behandelt. Eine Ausnahme ist Peter Handkes Stück "Immer noch Sturm", das ebenfalls von den Kärntner Slowenen während des Zweiten Weltkriegs handelt und 2011 am Burgtheater zu sehen war. "Es herrscht weiterhin Sturm", hieß es da. Dieser Satz könnte auch bei Haderlap stehen, wo sich die Geschichte tief in ihre Figuren und die nachfolgenden Generationen eingefressen hat.

Akademietheater, Premiere: 8.9.19.30 Uhr


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige