Wien, Sarajevo, Moskau: Wo kulturelles Erbe gezielt vernichtet wurde

Feuilleton | aus FALTER 36/15 vom 02.09.2015

Zerstörung auf Wienerisch: Der Leopoldstädter Tempel in der Tempelgasse war das größte jüdische Bethaus Wiens, das 1854 und 1858 nach Plänen von Ludwig Förster errichtet wurde. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde ein Großteil der Anlage völlig zerstört. Die Nationalsozialisten zerstörten im Zuge dieses Pogroms 42 Synagogen und Bethäuser.

Die Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau war der Petersdom der Orthodoxen Kirche. 1931 ließ Josef Stalin den Sakralbau als Symbol des alten Russland sprengen; Ikonen dienten als Bauholz. Nachdem die Realisierung eines kommunistischen Monumentalbaus gescheitert war, entstand an dem Standort ein Freibad. 1995 bis 2000 wurde die Kirche originalgetreu wiederaufgebaut.

Die Buddha-Statuen von Bamiyan in Afghanistan waren einst die größten stehenden Buddha-Statuen der Welt und von der Unesco als Weltkulturerbe gelistet. Am 12. März 2001 sprengten Taliban-Milizen die Denkmäler. Es war das erste Mal, dass Islamisten Kultur zerstörten, um den Westen zu provozieren. Über einen möglichen Wiederaufbau wurde diskutiert, konkrete Pläne gibt es keine dafür.

Im Bosnienkrieg wurde die Bibliothek von Sarajevo (Vijećnica), ein historistischer Bau aus dem späten 19. Jahrhundert, schwer beschädigt. Bei dem Brand im August 1992 wurden zwei Millionen Bücher vernichtet. Der Angriff auf die Bibliothek gilt als Beispiel für die gezielte Zerstörung des kulturellen Gedächtnisses. Inzwischen wurde die Vijećnica, auch aus Fördermitteln der EU, wiedererrichtet.


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