Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Versöhnung

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 36/15 vom 02.09.2015

Die Briefbombenserie in Österreich war noch lange nicht aufgeklärt. Ein Prozess gegen Verdächtige im rechtsextremen Milieu ließ die Hoffnung aufkommen, es komme Klarheit in die Sache. Die Bajuwarische Befreiungsarmee, das große Mysterium jener Tage, erklärte zwar in einem 28-seitigen Schreiben, die angeklagten Rechtsextremisten Radl und Binder hätten nichts mit den Briefbomben zu tun. Aber das wurde weder von der Staatsanwaltschaft noch von den Falter-Berichterstattern Martin Staudinger und Klaus Zellhofer als überzeugend betrachtet. Im Innenministerium gab man sich optimistisch, auf der richtigen Spur zu sein. "Während noch vor ein paar Monaten Sicherheitsdirektor Michael Sika zugeben musste, dass man bislang ,in der falschen Etage' gesucht habe,,suchen wir jetzt zumindest in der richtigen', wie ein Fahnder sagte.,Es fehlt nur noch das Zimmer.'" Die Tür zu diesem öffnete sich erst später durch Kommissar Zufall und offenbarte Franz Fuchs als Täter.

Das Asylrecht war bereits vor 20 Jahren ein Thema. Allerdings sind wir, man glaubt's nicht, doch ein Stück weitergekommen. Der liberale Verfassungsjurist Christian Brünner vom Liberalen Forum forderte nämlich, Flüchtlinge sollten nur mehr in für sie sichere Drittländer abgeschoben werden dürfen.

Manches ändert sich aber nie. Klaus Nüchtern zitierte, wie in dieser Ausgabe auf Seite 27, in einer Kritik von Elfriede Jelineks Roman "Die Kinder der Toten" Adorno: "Es gehört zur Moral, nicht bei sich selber zu Hause zu sein."

Die Titelgeschichte beschäftigte sich mit der Moral einer anderen Geschichte, die dem Versöhnungsskeptiker Adorno gewiss nicht gefallen hätte. Das Feuilleton setzte in Gestalt von Wolfgang Kralicek alles daran, die zerstrittenen Partner Kurt Palm (Regie) und Hermes Phettberg (Moderation) wieder zu vereinen. Die "Nette Leit Show", das Produkt der beiden Rappelköpfe, schien fortgesetzt werden zu können. Beide waren gerührt. Hermes telegrafierte: "ewig und inniglich werde ich euch danken fuer eure gestrige rettungsaktion."


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