Schicksal, das scharfe

Musiker Hubert Mauracher ist jetzt auch/wieder Koch. Scharf und asiatisch


Lokalkritik: Florian Holzer
Stadtleben | aus FALTER 36/15 vom 02.09.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Gibt es viele österreichische Musiker, die in den alternativen Charts doch schon recht erfolgreich waren und dann trotzdem ein Lokal aufmachten? Eher nicht, aber die kommen wohl auch nicht so wie Hubert Mauracher aus einer Hoteliersfamilie in Fügen im Zillertal, haben auch nicht so wie Hubert Mauracher eine Kochausbildung und waren auch nicht so wie Hubert Mauracher als Nachfolger vorgesehen.

Sein Lokal machte Mauracher jetzt aber trotzdem in Wien und nicht in Fügen auf, was gut ist, erstens, weil man hier jetzt an seiner Passion für thailändische Küche teilhaben kann, und zweitens, weil es in Fügen vielleicht kein so großes Publikum für thailändische Küche gibt. Wobei es eh nicht nur Thai-Food geben soll, aber dazu später.

Hubert Mauracher schmiss vor 14 Jahren jedenfalls die Kochkarriere hin, gründete die Band Mauracher und wurde mit der eine fixe Größe in der heimischen Musik- und Festivalszene. Das Kochende lauerte dann aber doch immer in ihm, vor ein paar Monaten entschied er, ein Lokal haben zu wollen, südostasiatisch. Bei Sri Gumpoldsberger, Wiens so ziemlich einziger authentischer Thai-Köchin, versuchte er einen Praktikumsplatz zu bekommen, leider hört die Frau mit dem bestimmenden Wesen aber im September auf.

Einen Platz für sein kulinarisches Projekt namens Schönscharf fand er aber, das winzige Schlauchlokal am Laurenzerberg, das 46 Jahre lang ein bäuerlicher Imbissladen war; um eine Betriebsanlagengenehmigung mit Lüftung suchte Mauracher bereits an, hofft auf baldige Erteilung, um auch warm scharf kochen zu können, und macht einstweilen halt Salate, „der heiße Sommer war sehr auf meiner Seite“. Auf fünf Plätzen kann man sitzen oder sich das Essen einpacken lassen.

Etwa einen Glasnudelsalat mit Gurke, ein bisschen Huhn, Karotte, Minze und Erdnüssen, mit ein bisschen Grundschärfe ausgestattet, die man nach Wunsch aber mit einem Löfferl von in Fischsauce und Limettensaft eingelegten Thai-Chilis natürlich nach Wunsch ein bisschen steigern kann. Sehr frisch und sehr gut, die allermeisten Zutaten – so er sie aus europäischem Anbau bekommt – in Bioqualität (€ 8,50). Der Papayasalat war auch nicht schlecht, kam in puncto Frische und Erfreulichkeit aber nicht an den Glasnudelsalat heran; dass Hubert Mauracher auch die scharfen, groben Salate der nordöstlichen Isaan-Küche schätzt, lässt hoffen, und dass er hier hoffentlich bald irgendwann warm kochen kann, wohl auch: „Wer gern rotes Hühnercurry isst, der soll Schönscharf im Kopf haben“, verkündet der Musiker sein Motto. Aber eben nicht nur. Im halbprivaten Rahmen wird im winzigen Lokal auch abends und sechsgängig serviert, nicht immer scharf und durchaus auch tirolerisch, Wildbret soll da absolut Thema sein. Wobei dem Schärfe ja auch sehr gut steht.

Resümee:

Schon wieder asiatisch, schon wieder scharf, diesmal allerdings vom Musiker Hubert Mauracher, zum Mitnehmen und vorerst nur kalt.

Schönscharf
1., Laurenzerberg 1/18, Tel. 0660/507 75 70, Mo–Fr 11.30–15 Uhr, www.schoenscharf.at


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