Startschuss für den Theaterherbst

Die Sommerpause ist zu Ende: eine Vorschau auf die ersten Theaterpremieren der Saison


Überblick: Sara Schausberger
Lexikon | aus FALTER 36/15 vom 02.09.2015


Das Volkstheater eröffnet die Saison mit einer Bühnenversion von Gerhard Fritschs Roman „Fasching“ (Foto: Alexi Pelekanos)

Das Volkstheater eröffnet die Saison mit einer Bühnenversion von Gerhard Fritschs Roman „Fasching“ (Foto: Alexi Pelekanos)

Der Theaterherbst startet früh in diesem Jahr. Während es draußen noch heiß und zum Baden ist, kann man sich abends schon in die (hoffentlich) gekühlten Theatersäle knotzen. Ganz vorne an der Spitze beim Kopf-an-Kopf-Rennen um die erste Premiere liegt in diesem Jahr das Theater in der Josefstadt, das mit Gerhart Hauptmanns „Vor Sonnenuntergang“ (Regie: Janusz Kica) bereits am 3.9. loslegt.

Eine Woche später folgt am 10.9. die Travestiekomödie „La Cage aux Folles“ in den Kammerspielen. Regie führt Werner Sobotka, Josefstadt-Intendant Herbert Föttinger spielt den Nachtclub-Besitzer Georges.

Das Burgtheater, wo die erste vollständig von Karin Bergmann programmierte Spielzeit beginnt, eröffnet der Reihe nach seine Spielstätten. Los geht es am 4.9. im großen Haus mit Nikolaj Gogols Komödie „Der Revisor“, die vom Schmieren, Fälschen und Betrügen in einem russischen Provinzstädtchen handelt. Um die Inszenierung kümmert sich der lettische Starregisseur Alvis Hermanis.

Vier Tage später sperrt das Akademietheater am 8.9. mit „Engel des Vergessens“ von Maja Haderlap auf. Der 2011 mit dem Bachmann-Preis ausgezeichnete Erinnerungsroman über die Geschichte eines Mädchens, die in einer kärntner-slowenischen Familie aufwächst, wird in einer eigenen Bühnenfassung von der Autorin selber und dem Regisseur Georg Schmiedleitner gezeigt.

Knapp zwei Wochen darauf eröffnet das Kasino am Schwarzenbergplatz am 18.9. mit „Dosenfleisch“. Das neue Stück des Steirers Ferdinand Schmalz spielt auf einer Autobahnraststätte, Regie bei dieser Produktion führt Carina Riedl.

Das Volkstheater startet mit voller Fahrt ins neue Theaterjahr. Hier gibt es die meisten Premieren in diesem September. Kaum verwunderlich, muss sich das Theater als Haus unter neuer Intendanz ja auch noch positionieren. Die Direktorin Anna Badora geht ihren Spielplan ein bisschen experimenteller an als ihr Vorgänger. Eröffnet wird am 5.9. mit Gerhard Fritschs „Fasching“. Die Bühnenfassung zum Roman haben Badora und der Dramaturg Roland Koberg verfasst, Regie führt zum Auftakt die Intendantin des Hauses selber.

Am 9.9. folgt dann bereits „Hakoah Wien“. Ausgehend von gegenläufigen Migrationsbiografien, entwickelte die israelische Regisseurin Yael Ronen ihr Stück am Schauspielhaus in Graz. Nun wurde es für die Wiener Bühne adaptiert.

Die Außenspielstätte des Volkstheaters, der ehemalige Hundsturm, heißt jetzt Volx/Margareten und soll wieder regelmäßiger bespielt werden. Los geht es mit Jessica Glauses Theatraler Feldforschung „Nachtschicht“ (11.9.), in der es um die Frage geht, was Nachtarbeit eigentlich ist – und was es heißt, aus dem Rhythmus des Tages zu fallen.

Gleich tags darauf, am 12.9., findet im Haupthaus mit Jelineks Fassung von Ibsens „Nora³“ die Wien-Premiere von Dušan David Pařízeks-Inszenierung aus dem Düsseldorfer Schauspielhaus statt. Schauspiel-Shootingstar Stefanie Reinsperger, die vom Burgtheater ins Volkstheater-Ensemble gewechselt hat, verkörpert die Nora.

Die fünfte und letzte Volkstheater-Premiere im September ist ein Projekt mit Arbeitslosen von Regisseur Volker Lösch: „Der Marienthaler Dachs. Zuletzt stirbt endlich die Hoffnung“ (Autor: Ulf Schmidt) feiert am 25.9. Premiere.

Während die großen Häuser in den Herbst hineinrasen, lassen sich die kleineren Bühnen üblicherweise noch ein bisschen Zeit bis zur Eröffnung. Ein paar Produktionen abseits vom Großbühnen-Programm gibt es aber auch im September schon zu sehen. Der Autor und Regisseur Volker Schmidt hat sein Stück über einen Partygänger und Selbstoptimierer eigens für den Schauspieler Daniel Wagner geschrieben. „Der Fuchs“ ist in Kooperation mit dem Berliner Ballhaus Ost entstanden, die Wiener Premiere erfolgt am 10.9. in der Galerie Im Ersten.

Das Theater in der Drachengasse eröffnet am 21.9. mit „Abendsand“, in dem das junge Theaterkollektiv YZMA den Begriff des „Abendlands“ als gesellschaftliche Konstruktion entlarvt.

Im Off-Theater ist ab 22.9. das Stück „Die heimliche Präsidentin. Bekenntnisse einer First Lady“ über Jackie Kennedy zu sehen. Und die Theatergruppe geht, wenn es so weit ist, mit ihrem Projekt „Ganymed Dreaming“ wieder ins Kunsthistorische Museum (23.9.).

Eine neue Spielstätte für die Freie Szene gibt es mit dem F23 in Liesing. Die ehemalige Sargfabrik in der Breitenfurter Straße wurde erstmalig im Rahmen der Wiener Festwochen bespielt. Das Ambiente ist toll, und im September laden gleich zwei Premieren dazu ein, das F23 zu erkunden: „Vernichten, was einen unglücklich macht“ am 17.9. und eine Woche darauf am 25.9. „Objects in a Mirror Are Closer Than They Appear“.


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