Wie der Edlinger-Thomas auszog, um das Glück der Postkritik zu finden

Feuilleton | aus FALTER 36/15 vom 02.09.2015

Kritik ist das Missing Link zwischen Wirtshaus, Schlafzimmer und Professorenpult" schreibt Thomas Edlinger im Einleitungskapitel zu seinem Essay "Der wunde Punkt", und macht damit gleich zu Beginn klar, dass hier nicht ye goode olde "kritische Bewusstsein" gemeint ist, das seinerzeit sein Headquarter in den Köpfen einiger weniger aufgeschlagen hatte, die als Einzige alles durchschauten.

Kritik ist, so der Ausgangsbefund des Autors, zum "Volkssport" geworden. Zugleich lasse sich aber auch ein "Rückbau von Kritik" beobachten. Dieser manifestiert sich zum Beispiel in einem "Willen zur Dauerfaszinierheit" durch den jeweils neuesten heißen Scheiß - eine Neigung, der die Verlinkungseffektivität des Netzes und der Netzwerke noch Vorschub leistet. Zugleich wird Kritik aber auch durch ihre Überreizung gelähmt.

Edlinger hat dafür den Begriff der "Hyperkritik" geprägt, bei der die Sensibilität für einen vermeintlich respektvollen Umgang miteinander zu einer "Inflationierung institutionalisierter

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