71+4

Tausende Flüchtlinge kommen in Österreich an. 71 davon sind unter grausamen Umständen gestorben. Eine Geschichte über politisches Versagen und eine Gruppe von vier, die es schaffte


Text und Fotos: Nina Brnada
Politik | aus FALTER 36/15 vom 02.09.2015

Wer hier geht, der atmet nicht durch die Nase. Die ehemalige Veterinär-Grenzdienststelle im burgenländischen Nickelsdorf umweht Verwesungsgeruch, seit hier jener Transporter parkt, in dem vergangene Woche 71 tote Flüchtlinge gefunden worden waren. Wer aus Versehen doch Luft durch die Nase zieht, bekommt die Erinnerung an diesen Gestank auch Tage später nicht mehr aus dem Kopf. Und er wird das Gefühl nicht los, dass sich dieser Dunst nicht nur über das Grenzgelände, sondern auch über die eigene Haut wie ein Film gelegt hat.

Ahmad schreitet voran. Er hat als einziger ein Handy, dessen Akku noch funktioniert. Darauf liest er Pläne, die Lamittas Sohn geschickt hat. Auf denen ist der Weg nach Schweden eingezeichnet. Die 39-Jährige Lamitta geht hinten, neben ihr ihr jüngerer Sohn Majed, 16 Jahre alt, und Fadi, ein Cousin ihres Mannes. Die Gruppe der vier ist vor genau 15 Tagen aus einer Stadt im Süden von Syrien aufgebrochen und geht jetzt durch Nickelsdorf, mehr als 3100 Kilometer

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