Kommentar Schwarz-Blau in der City

Die blaue Ursula: Die FPÖ will mit Stenzel Bürgerliche keilen

Falter & Meinung | Nina Horaczek | aus FALTER 36/15 vom 02.09.2015

Die Rechnung ist simpel: Ein blauer Brachialpolitiker, der im Bierzelt Massen begeistern kann, über den aber die Hofratswitwen das Näschen rümpfen, holt sich eine feine Dame, die für ihn in die bürgerliche Welt hinein wahlkämpft.

Ein ehemaliger Star der Konservativen, der sich mit seiner Partei zerstritten hat und deshalb für die FPÖ kandidiert, um nicht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Dass die frühere ÖVP-Politikerin Ursula Stenzel nun für die Wiener FPÖ kandidiert, scheint eine Win-win-Situation für Heinz-Christian Strache und für die Law&Order-Lady zu sein.

Die ehemalige ORF-Moderatorin ist seit zehn Jahren Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt. Aufgefallen ist sie vor allem mit schrulligen Verbotsideen: Sie kämpfte gegen den Silvesterpfad, wollte Alkoholkonsum im öffentlichen Raum in der City verbieten, Demos auf der Ringstraße untersagen und Fahrräder mit verpflichtenden Nummerntafeln versehen. Oder sie kettete sich im Kampf gegen ein angebliches rot-grünes Baummassaker an die Alleebäume der Ringstraße.

Die Freiheitlichen werden von Stenzel profitieren. Sie erreichten bei der Wahl 2010 im 1. Bezirk nur zehn Prozent, weit unter ihrem Wiener Gesamtergebnis. Da wird ihnen Stenzel, bei der Pressekonferenz ganz in Blau kostümiert, einige Stimmen bringen.

Freuen kann sich aber auch die Wiener ÖVP. Wäre Stenzel mit einer eigenen Liste im 1. Bezirk angetreten, hätte sie die Chance auf ein respektables Ergebnis gehabt. Im Schlepptau Straches kommt sie bei den bürgerlichen Wählern hingegen weniger gut an. Denn die mögen einfach keine Bierzelt-Politprolls, auch wenn diese sich von einer feinen Dame in Blau begleiten lassen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige