Mediaforschung Verführungskolumne

Sexismus auf allen Ebenen: Mömax zeigt es vor


Stefanie Panzenböck
Medien | aus FALTER 36/15 vom 02.09.2015

Mia starb vor 200 Jahren und ist seitdem ein Hausgeist. Als hübsche junge Frau hüpft sie - wie es Hausgeister eben gern machen - in Spitzenunterhosen und bauchfreien T-Shirts durch fremde Wohnungen. Eigentlich ist sie unsichtbar, aber für die Möbelfirma Mömax macht sie eine Ausnahme. Sie ist nämlich seit wenigen Monaten die Protagonistin in deren Werbespots.

Thomas Saliger, Marketingleiter und Unternehmenssprecher der XXX-Lutz-Gruppe, zu der Mömax gehört, stellt in einem Backstagevideo den Mömax-Kunden in Aussicht, dass man nie wisse, wo Mia auftauchen könnte. Vielleicht fährt sie ja mit einem Montage-Lkw mit und bleibt irgendwo, wo es ihr gefällt.

Sollten Sie jetzt auf den Gedanken kommen, es handle sich um Sexismus in der Werbung, vergessen Sie es schnell wieder. Denn Mia wird vom korrekten Unternehmenssprecher sogar als "Geistin" bezeichnet. Na dann.

Die 200 Jahre alte Mia steht aber ohnehin auf althergebrachte Rollenverteilung: Auf der Suche nach einer neuen Mömax-Filiale landet sie bei den Männer-Nannys: In der Mömax-Welt sind das primitive Typen, die sich Milchfläschchen an ihre Brustwarzen geklebt haben und mehr oder weniger einfühlsam ("Sauf endlich!") versuchen, die Babys zu füttern. Angewidert verlässt Mia die Lokalität und erreicht erleichtert die Mömax-Möbelhallen.

Sexismus gegen Frauen und Männer als neues Erfolgsrezept? Sieht doch gleich ziemlich grässlich aus.


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