Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Pinot Gris

Aufstrebender Grauburgunder: viele Namen und Facetten

MS | Stadtleben | aus FALTER 36/15 vom 02.09.2015

Pinot Gris, auch Grauburgunder, ist in Österreich nicht weit verbreitet (0,6 Prozent der Anbaufläche, Tendenz steigend). Erstaunlich, wie viele Namen diese Weißweinsorte mit der roten Traubenhaut hierzulande hat: satte 250 verschiedene - von Riesling grau bis Zelenak. Wird der Grauburgunder gerne im Holzfass vinifiziert, so ist der Pinot Gris von der Winzerei Kracher im Stahltank ausgebaut und sieben Monate gelagert. Pinot Gris 2013 wurde mit 92 Falstaff-Punkten zum besten Grauburgunder Österreichs gewählt. Aber wir sind beim 2014er angelangt und auch der mundet.

Es muss sein, der Auszug aus dem önologischen Datenblatt: helles Gelbgrün (hübsch), feine frische Apfelfrucht (sic!), zart nach Honigmelone (nicht unbedingt), ein Hauch von Wiesenkräutern (womöglich). Beim Ausdruck "saftig" wird es dann zu lustig: Saftiger Wein, was für ein Pleonasmus! Die "elegante Textur" versöhnt. Weiße Tropenfrucht? Dezente Säure (ja), zitronige Nuancen (ist das nicht bereits angeklungen?) und angenehme Mineralik im Abgang. Man hätte meinen können, etwas rauere, fossile Nuancen herauszuschmecken, aber okay, man schmeckt womöglich schon die Geister. Gerhard Kracher bewirtschaftet den im burgenländischen Illmitz gelegenen Hof in dritter Generation und er ist ein geschäftstüchtiger "Regisseur", wie er sich nennt. Auf der Website findet sich auch ein Lobgesang an die Botrytis cinerea, die Edelfäule, die aufgrund des pannonischen Nebelklimas dafür sorgt, dass es eine spezielle Beerenauslese gibt. Aber, das ist ein anderes Thema.


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