Sport Glosse

Das olympische Märchen und Rios schwarze Zunge

Johann Skocek über das korrupte Showsportbusiness der Olympischen Spiele

Stadtleben | aus FALTER 36/15 vom 02.09.2015

Jetzt beschweren sich alle über die Kloake vor Rios Copacabana. Heuchler. Ein deutscher Segler hat nach einer Regatta vor Rio eine multiple Entzündung aufgerissen. Er soll mit dem Meerwasser in der Guanabara-Bucht in Berührung gekommen sein. Die Segelbewerbe der Olympischen Sommerspiele gehen dort im August 2016 in Szene. Jeden Tag um vier Uhr fließt Rios Gülle ungefiltert ins tiefblaue Meer; im Volksmund wird der Fäkalienstrom liebevoll "schwarze Zunge" genannt. IOC und Medien wussten um die Schande, als sie im Oktober 2009 Rio zum Austragungsort der Sommerspiele kürten. Der österreichische IOC-Kenner Erwin Roth hatte davor gewarnt und die Errichtung einer Kanalisation eingefordert. Vergebens. Das geschlossene System der Ignoranz ist Voraussetzung des korrupten Showsportbusiness. Jetzt zeigt ihm Rio die Zunge.


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