Tiere

Summertöne

Peter Iwaniewicz rät, zerdrückte Blätter des Spitz-oder Breitwegerichs auf juckende Gelsenstiche aufzutragen

Falters Zoo | aus FALTER 36/15 vom 02.09.2015


Wie war Ihr Sommer? Zu heiß, zu kurz und zu viele unbeaufsichtigte Insekten im Freien? Oder doch zu nass, zu lang und keine Tierkontakte? Glauben heißt nichts wissen (ich glaube, das hat irgendein Papst gesagt) und deswegen ignoriere ich als seriöser Kolumnist jegliche subjektive Befindlichkeit und stütze mich ausschließlich auf solide Fakten. Und solche legt das Meinungsforschungsinstitut Marketagent zeitgerecht vor: 1026 Personen zwischen 14 und 69 Jahren wurden in Österreich befragt und das verblüffende, auf einen Satz verdichtete Ergebnis dieser Studie ist: „Neun von zehn (90,1 Prozent) empfinden Gelsenattacken als nervig.“ Demnach ist also jeder Zehnte mit Gelsenattacken zufrieden! Oder was ist das korrekte Gegensatzwort von „nervig“?

Aber verlieren wir uns hier nicht in sprachwissenschaftlichen Details, wenden wir uns den humanbiologischen Erkenntnissen der Erhebung zu. Was machen die Österreicher, um die „Heurigen-, Grill- und Badesaison gelsenstichfrei“ zu überstehen? Die Hälfte montiert zum Beispiel Fliegengitter. Eine raffinierte Idee, die heimischen Badestränden eine interessante Optik verleihen könnte, wenn dies nicht oft vom Personal der Badeanstalten verhindert werden würde.

Aber wir sind nicht nur emsige Gitterhäuselbauer, sondern auch smart: „Etwa drei von zehn (28,9 Prozent) schließen zur Abwehr der Plagegeister die Fenster und Türen am Abend.“ Bis dato hätte man derlei technische Maßnahmen bestenfalls vom Hörensagen für möglich gehalten, jetzt liegen aber endlich solide Daten vor.

Rätselhaft bleibt aber dieser Satz: „Etwa jeder Achte meidet den für Gelsen verlockenden Schweißgeruch.“ Bedeutet dies, dass sich ca. 13 Prozent der Österreicher im Sommer häufiger unter den Achseln waschen? Oder vermeidet man es, Orte mit transpirierenden Menschen aufzusuchen? In letzterem Fall könnte man diese No-Sweat-Gruppe zahlenmäßig mit jenen 15,1 Prozent von Tourismus- und Gastronomieschädlingen vereinen, die zur Vermeidung von Gelsenstichen „grundsätzlich von feuchten Gebieten, Seen, Teichen und abendlichen Aufenthalten im Freien fernbleiben“. Ein konsequentes, aber auch freudloses Leben.

Eine Herausforderung beim Texten solcher Presseinformationen besteht darin, ausreichend Synonyme für den Begriff „Gelse“ zu finden: In der Reihenfolge ihres Auftretens: Mücke, Plagegeister, Blutsauger und fliegende Stechinsekten.


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