Tiere

O'zapft is!

Falters Zoo | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015


Jedes Mal, wenn ein neues Team von Astronauten die Internationale Raumstation ISS erreicht, geht eine Pressemeldung um die Welt. Darin finden sich die Nationalitäten und Namen der neuen Crewmitglieder sowie auch immer die „Geschenke“, die mitgebracht wurden. Begonnen hat diese Tradition 2004, als die Italienerin Samantha Cristoforetti eine eigens für die Schwerelosigkeit konstruierte Espressomaschine auf der ISS montierte.

Andere Nationen kopierten diese Idee, um sich ebenfalls darzustellen. 2010 gab es zum 100. Todestag des russischen Dichters Lew Tolstoi eine Originalausgabe des Heldenepos „Sewastopoler Erzählungen“. Und heuer wurde japanischer Whisky auf die Raumstation gebracht und einem streng wissenschaftlichen Experiment unterzogen. Nein, es ging nicht um die Frage, welches Land trinkfester ist, sondern angeblich darum, wie Schnaps in der Schwerelosigkeit reift.

Letzte Woche dockten wieder neue Raumfahrer an. Der Däne Mogensen brachte – vermutlich dringend erwartete – Legofiguren mit, während der Kasache Aimbetow Stutenmilch servierte. Das nenne ich Highlife: In 400 Kilometern Höhe und mit 28.000 Stundenkilometern über die Erde rasen, dabei mit Lego spielen und sich mit Stutenmilch zuprosten!

Milch von weiblichen Pferden ist ja ein Zaubertrank, der laut Bundesverband Deutscher Stutenmilcherzeuger bei Problemhaut, Allergien, Darmerkrankungen und überhaupt hilft. Mit etwa zwölf Euro je Liter liegt das milchige Elixier doch deutlich über der gemeinen Kuhmilch, die wiederum für all diese Probleme verantwortlich ist.

Kamelmilch punktet mit einem hohen Anteil an Vitamin C, darf aber bei uns aus hygienischen – oder doch religiösen? – Gründen nicht verkauft werden. Wirklich exklusiv ist aber Mäusemilch: Die Gewinnung von Mäusemilch ist sprichwörtliches Mäusemelken. Für einen Liter muss man an bis zu 4500 Mäusinnen mit einer Pipette fummeln. Das dauert jeweils fast eine halbe Stunde und bringt eine Ausbeute von 0,25 Milliliter. Mit etwa 23.000 Euro pro Liter ist dies die teuerste Milch eines Säugetiers und wird nur zu Forschungszwecken verwendet. Und da behauptet der European Milk Board, der Milchpreis sei im Keller und viele Bauern würden vor dem Bankrott stehen. Die haben doch bloß aufs falsche Tier gesetzt!


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