Kabarett Kritik

Vom Dings her: Gestochen scharfes Gestammel

Lexikon | Peter Blau | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Getreu dem Karl-Kraus-Motto "Es genügt nicht, sich keine Gedanken zu machen, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken" lässt Rolf Miller seine sorgfältig gepflegte Bühnenfigur seit über 15 Jahren keinen einzigen geraden Satz sagen. Selbst bei gängigen Phrasen verstrickt sich dieser selbstgefällige und in Odenwälder Mundart daherbrabbelnde Kleingeist im Dickicht seines beschränkten Wortschatzes. Dass dieses Gestammel auch in seinem vierten Solo "Alles andere ist primär" wieder alles andere als ein billiges Vorführen ist, sondern sich mittels präzis gesetzter Absurditäten und hinterhältiger Komik zu einem gestochen scharf pointierten und tief ins Gewissen unserer Gesellschaft blicken lassenden Sittenbild verdichtet, ist die große Kabarettkunst des Rolf Miller.

Stadtsaal, Sa 20.00


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