Premiere 3: Anna Badoras lustloser "Fasching" im Volkstheater

Feuilleton | Theaterkritik: Sara Schausberger | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Das Volkstheater unter neuer Leitung wurde am Samstagabend mit einer Inszenierung von Gerhard Fritschs Roman "Fasching" eröffnet. Keine schlechte Wahl eigentlich: Der Nachkriegsroman, der in den 1960er-Jahren erschienen ist, ist ziemlich bühnentauglich, geht es doch viel ums Verkleiden und Maskieren.

Der Deserteur Felix Golub kehrt ein paar Tage vor Fasching nach zwölf Jahren russischer Kriegsgefangenschaft heim in das Städtchen, in dem er während des Zweiten Weltkriegs untergetaucht ist. Dort wurde er von der Miedermacherin (Adele Neuhauser) als Lottchen verkleidet und zu ihrem Dienstmädchen und Sexsklaven gemacht. Aber weil in dem südsteirischen Ort noch immer dieselben Nazi-Arschlöchern leben wie damals, wird er nicht als Heimkehrer begrüßt, sondern zur Lachnummer gemacht. Da kann auch seine Verlobte, die gestandene Hilga Pengg (Stefanie Reinsperger), nichts ausrichten.

So ganz greifen will die Regiearbeit von Intendantin Anna Badora, trotz guter Ideen und eines starken Ensembles, nicht. Die Hauptfigur gibt es gleich zweimal: Der schmächtige Nils Rovira-Muñoz spielt den verunsicherten Rückkehrer Felix; der Puppenspieler Nikolaus Habjan ist die Prosafigur, die in Er-Form spricht. Die Bühne (Michael Simon) ist ein schwarzer Guckkasten, auf dem ein überdimensional großer Bilderrahmen steht; Schwarzweiß-Zeichnungen und Vorhänge mit braunem Schriftzug werden heruntergelassen und inszenieren so die Bühne als Museum.

Leider steckt die Geschichte zu sehr in ihrer Wiederholung fest. Rasch hat man verstanden, dass der Nazisumpf auch Mitte der 1950er-Jahre noch nicht verschwunden ist. In Trachten und Uniformen gekleidet, sitzt die hauptsächlich männliche Bevölkerung da und hat sich falsche Nasen aufgesetzt. Zu grobschlächtig, hysterisch und billig ist oft der Witz, als dass der Abend tatsächlich bewegen würde. Der Albtraum, von dem hier erzählt wird, verliert leider schnell seine dramatische Wirkung.

Volkstheater, 18. bis 20. September


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