Alter Bock, junge Biester

Premiere 1: Die Josefstadt zeigt in "Vor Sonneruntergang" frische Liebe auf karger Bühne

Feuilleton | Rezension: Sara Schausberger | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Dass diese Liebe nicht gut gehen kann, das weiß man von Anfang an. Zu karg ist die Bühne (Karin Fritz), auf der sich der alte, verwitwete Geheimrat Matthias Clausen (Michael König) in die blutjunge Kindergärtnerin Inken Peters (Martina Ebm) verliebt. In der Mitte ragt eine kahle Steinwand in die Höhe, kein Feuer brennt im Kamin, die Musik ist unheilverkündend.

Der polnische Regisseur Janusz Kica hat Gerhart Hauptmanns spätes Stück "Vor Sonnenuntergang" wunderbar reduziert und wie einen Thriller inszeniert. Am Anfang herrscht Partystimmung im Hause Clausen. Dem Geheimrat wird der Titel des Ehrenbürgers überreicht, seine erwachsenen Kinder (Alexander Absenger, Pauline Knof, Christian Nickel, Marina Senckel) stehen am Piano und studieren Schuberts "Erlkönig" für den Vater ein.

Der Abstand zwischen dem Alten und seinen Nachkommen wird überdeutlich, wenn die Kinder zu wilden Technobeats tanzen und dem Ehrenbürger der Trubel lästig ist. Kein Zweifel, die nächste Generation hat hier


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