Stadtrand Urbanismuskolumne

Von wegen Dienst nach Vorschrift

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Machen S' halt ein Sackerl drüber", meinte der zweitnetteste Wiener Bim-Chauffeur der Welt zu dem Herrn, der mit einem gefüllten Benzinkanister die Straßenbahn betreten wollte und den er zuerst offenbar dienstnachvorschriftmäßig nicht einsteigen lassen wollte. Ein Auge zuzudrücken, fünfe einfach mal gerade sein zu lassen, hat in dieser Stadt keine besonders große Tradition (der Spruch mit "fünfe" übrigens ebenfalls nicht). So gesehen überraschen derlei Vorkommnisse doch noch ein wenig. Aber Wien macht sich immer lockerer. Das Kuchenstück sei so klein, sagt die Kellnerin, ich gebe Ihnen zwei. Im Restaurant wird besorgt nachgefragt, ob man eh satt geworden sei oder "Nachschlag" haben möchte. Wenn das so weitergeht, wird man demnächst sogar im Supermarkt "anschreiben" lassen können -nicht nur bei der Weinviertlerin auf dem Bauernmarkt. Wobei: Manche Vorschriften sind vielleicht ganz sinnvoll. Woher solle er den jetzt ein Sackerl nehmen?, jammerte der Mann mit dem Benzinkanister. "Steigen S'halt hinten ein", meinte der zweitnetteste Bim-Chauffeur der Welt.


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