Marsch durch Wien

Applaus in Wien, Hitlergrüße in Budapest, ein Toter und ein Kanzler, der die Grenzen öffnet. Das Protokoll einer historischen Woche

Politik | Reportage: Nina Brnada, Florian Klenk Budapest/bicske | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015


Vom Budapester Bahnhof Keleti brechen die Flüchtlinge zu Fuß auf, nachdem die ungarischen Behörden sie nicht mit Zügen ausreisen ließen (Foto: Björn Kietzmann/AP/picturedesk.com)

Vom Budapester Bahnhof Keleti brechen die Flüchtlinge zu Fuß auf, nachdem die ungarischen Behörden sie nicht mit Zügen ausreisen ließen (Foto: Björn Kietzmann/AP/picturedesk.com)

Vergangenen Samstag um neun Uhr morgens, als die Odyssee ihr Ende findet, stehen die Münder der Männer offen. Schnarchend, den Kopf an die Scheiben des Zuges gepresst, überhören sie Chris Lohners auf Band gesprochene Durchsage: „Bitte aussteigen“. Am Bahnsteig zwei des Wiener Westbahnhofs wachen sie auf.

Es sind hunderte, die nun aus dem Zug steigen, kräftige Burschen, aber auch erstaunlich viele Mütter, Kinder, Babys, Behinderte und Verletzte. Es sind Weinende und Lachende, Verstörte und Erschöpfte, in Decken gewickelt, manche humpeln mit bandagierten Füßen, die nach dem Marsch so angeschwollen sind, dass sie nur in Badeschlapfen passen. An den Schultern mancher Väter schlafen Babys.


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