Beisl Der steirische Gourmet

Schlachtplatte statt Storchbraten

Steiermark | Beisltest: Günter Eichberger | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Im Ritterwirt Kapun kann man angeblich tafeln wie im Mittelalter. Also sich einen Storch braten lassen, nach Gusto auch Schwäne und Pfaue? Als Vorspeise vielleicht einen Getreidebrei? Von den lustigen Tischsitten ganz zu schweigen.

Nein, leider beschränkt sich das Angebot beim Ritterschmaus (ab zehn Personen) auf neuzeitliche Gerichte wie die Schlachtplatte. Wir bleiben lieber in der Gegenwart bei einem Carpaccio von der Gänsebrust ( € 9,-). Die ist nicht unter dem Sattel mürb geritten, sondern geräuchert. Die kalte Kürbissuppe ( € 4,50) wird vom Dill dominiert und ist erfrischend zitronig. Im Ritterwirt wird alles frisch zubereitet. Die Wartezeit muss man in Kauf nehmen.

Wein galt im Mittelalter als der Gesundheit förderlich, wer es sich leisten konnte, verzichtete auf Wasser. Der bestellte Weißburgunder entpuppt sich als hervorragender Grauburgunder von Winkler-Hermaden ( € 3,20). Der Wels vom Rost ( € 16,-) in Rieslingsauce und einer Fuhre Bandnudeln ist der Stolz des Hauses. Wäre er nicht lauwarm, wäre er perfekt. Das Rindsgulasch ( € 9,-) bietet wie das ungarische Pörkelt viel Fleisch und weniger Saft als hierzulande üblich.

Resümee

Ein Besuch im Ritterwirt Kapun lohnt sich also. Csaba Weibel und Tamas Nagy haben das Lokal mit Verve neu übernommen. Ins Tischtuch geschnäuzt wie das Landvolk im Mittelalter haben wir uns nicht.

Ritterwirt Kapun

Schönaugasse 11, 8010 Graz, Tel. 0316/82 89 42, Mo-Sa 11-1 Uhr


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