Film Neu im Kino

Tropical Lachgummi: "Fack ju Göhte 2"

Lexikon | Klaus Nüchtern | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

In den Jahren 1967 ff. lockte die Heptalogie "Die Lümmel von der ersten Bank" Millionen Deutsche ins Kino. Nun ist endlich ein adäquates Nachfolgeprodukt aus dem Genre der "Pauker-Komödie" lieferbar, und wieder ist Uschi Glass dabei. In "Fack ju Göhte 2" darf sie als Chemielehrerin das Klischee von der dümmlichen Schreckschraube reanimieren. Neu ist, dass der Schülerstreich, der sie aus dem Verkehr zieht, vom Kollegen Müller (Elyas M'Barek) in Auftrag gegeben wurde, der als unterambitionierter Pädagoge nur seine kriminelle Vergangenheit bemänteln will und nun hinter den Diamanten her ist, die er seinerzeit erbeutet hat.

Übermäßige Sophistication in Handlungsführung und Charakterzeichnung darf man sich auch vom Sequel zum Blockbuster von 2013 nicht erwarten, aber dazu sind deutsche Comedys auch nicht da. Immerhin hat man prollige Tussis, Hohlköpfe mit und ohne Migrationshintergrund und Behindis (11 % Asperger!) unter den Schülern, die als Zutaten für einen inkorrekten Schabernack allemal ausreichen sollten. Satirische Klammer mit "zeitaktuellem Bezug" wäre auch vorhanden: Die Goethe-Gesamtschule (unterirdisch) will dem Schiller-Gymnasium (elitär) das Image der Vorzeigeschule streitig machen.

Leider wird das alles von Bora Dagtekin (Buch und Regie) quasi mit Anlauf verschenkt. Katja Riemann, die als zynisch-zielstrebige Direktorin mit großherzigem Dekolleté echtes Potenzial gehabt hätte, muss in Deutschland bleiben, während der Showdown der Schulen in einer zusehends schwachsinniger - nicht gut schwachsinnig, sondern schwachsinnig schwachsinnig! - werdenden Sozialschmonzette in Thailand ausgetragen wird. Man sollte dennoch bis zum Schluss bleiben: Es gibt noch eineinhalb gute Witze, und die Outtakes sind sowieso das Lustigste am ganzen Film.

Ab Fr in fast allen Kinos


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