Im Bauch der Mutter

Zum Semesterbeginn vermisst Falters Tutorium die Unis der Stadt. Den Anfang der Serie macht die "nährende Mutt er" - die Universität Wien


Tutorium: Lukas Matzinger
Stadtleben | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015


Lernen mit Patina im großen Lesesaal des Hauptgebäudes (Foto: Heribert Corn)

Lernen mit Patina im großen Lesesaal des Hauptgebäudes (Foto: Heribert Corn)

Wien ist die größte Studentenstadt im deutschsprachigen Raum – hier studieren mehr Menschen als im fast zweimal so großen und sicher viermal so hippen Berlin. Mehr als 180.000 Studierende gibt es in Wien – und mehr als die Hälfte davon ist an der „Hauptuniversität“ inskribiert. Die „Alma Mater“, die „nährende Mutter“, wie sie einst getauft wurde, hält die Stadt jung.

Dabei ist Mutter Uni selbst erstaunlich alt geblieben. Wer durch die mächtig vorspringende Säulenhalle das Hauptgebäude an der Ringstraße betritt, wird spätestens im üppigen Arkadenhof fast erschlagen mit Verweisen auf große Vergangenheiten. 154 Büsten und Reliefs von ehemaligen Wissenschaftlern stehen und hängen im Hof zwischen Rektorat, Hauptbibliothek und Audimax. Büsten des Physikers Erwin Schrödinger, des Philosophen Karl Popper oder des Psychiaters Julius Wagner-Jauregg sind darunter – dafür keine einzige, die eine Wissenschaftlerin zeigt und ehrt.

2015 feiert die Uni Jubiläum. Seit genau 650 Jahren hat die Stadt Wien eine Universität – die ist damit nicht nur die größte, sondern auch die älteste Hochschule im deutschsprachigen Raum. Oder „altehrwürdig“, wie man in Wien sagt.

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