Das tote Christkind und das Hühner-KZ

Flüchtlinge und der Bilderstreit: Ein Übermaß an Mitleid wird den Schrecken des Krieges nicht gerecht

Falter & Meinung | KOMMENTAR: MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Das wird man ja wohl noch zeigen dürfen. Unlängst erst tobten die Kämpfe über politisch korrekte Sprachlizenzen, da beherrscht bereits ein neuer Streit den medialen Alltag - der über die grausamen Bilder von der Flucht aus Syrien. Die Kronen Zeitung entschloss sich, 71 Flüchtlinge zu zeigen, die auf dem Weg von Ungarn nach Österreich in einem Lkw erstickt waren. Die Boulevardzeitung musste sich den Vorwurf gefallen lassen, den Verkauf des Blattes durch die Befriedigung niederer Schautriebe anzukurbeln.

Auf Qualität bedachte Redaktionen wie die Zeit im Bild (ZiB) oder Profil veröffentlichten Bilder eines ertrunkenen Jungen, der von den Wellen an die türkische Küste gespült worden war. Dieser Akt des Zeigens wurde allgemein akzeptiert, da er eine humanistische Intention vermittelte: Der kleine Aylan steht für die syrische Tragödie, die auch die fehlende Hilfsbereitschaft der Europäer mit impliziert. Man zeigt den Toten, damit wir uns in die Lebenden einfühlen. "Mitgefühl statt


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