Wien ist Pepi

Hello Pepiness: Den legendären Linzer Leberkäse gibt 's jetzt auch bei uns

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Es gibt Leute, die unterbrechen eine Bahnfahrt in Linz, um in der Filiale vom Leberkas-Pepi im dortigen Hauptbahnhof eine Jause einzunehmen. Ich weiß, dass das stimmt, weil ich nämlich selbst einer von denen bin. Pepis Leberkäse könnte man durchaus als Kult bezeichnen; fragt man Linzer, wie lange es den schon gibt, hört man für gewöhnlich „seit immer“. Stimmt aber nicht, Leberkas-Pepi gibt es nämlich erst seit 25 Jahren, er gehörte damals zu einer Gruppe von einigen Linzer Lokalen, in denen Christoph Baur arbeitete; als ihm vor 15 Jahren die Lokale angeboten wurden, nahm er sich nur eines: den Pepi in der Rathausgasse.

Die Legende wurde seither gut gepflegt: Der Laden sieht heute noch genauso unmöglich aus wie zu Anbeginn, ein Franchising hätte man dem Leberkas-Pepi wahrscheinlich nie verziehen, deshalb fand es nicht statt, auch die Filialisierung wurde extrem klein gehalten (nur am Linzer Hauptbahnhof, ein Expansionsprojekt in London floppte). Die Rezeptur der Klassiker hat sich nicht geändert, für Abwechslung sorgen saisonale Leberkäse.

Alles marketingtechnisch extrem klug gemacht, man muss aber auch sagen, dass der Pepi-Leberkäse halt schon wahnsinnig gut ist. Er scheint eine andere Konsistenz als die Mitbewerber zu haben, „saftig“ ist nicht ganz der richtige Ausdruck, flaumig irgendwie, cremig auch, ein bisschen an Pudding erinnernd. Und er ist wahnsinnig groß.

Die Pepi-Blöcke haben an die
20 Zentimeter Seitenlänge, ein Block wiege sechs bis sieben Kilo, sagt Christoph Baur; dass dieses schiere Volumen ebenfalls zur saftigen Flaumigkeit beitrage, will er aber nicht bestätigen. Dass er besseres Fleisch verwendet, als das beim Leberkäse sonst der Fall ist, allerdings schon: „nur Schnitzelfleisch“.

Seit vorigem Donnerstag wird in einer ehemaligen Vinothek im typischen, unmöglichen Leberkas-Pepi-Musikantenstadl-Design jetzt jedenfalls der Leberkäse vom ganzen Stück geschnitten, „grosse pièce“, wie der Franzose sagt. Und wenn man das einmal gesehen hat, wird man Leberkäse in Normalgröße fürderhin ein bisschen lächerlich finden.

Ein Dutzend Sorten gibt’s, darunter typische Pepi-Kreationen wie Spinat-Knoblauch oder Röstzwiebel, außerdem Standardsorten wie Kas-Leberkas, Pikant, Pizza und Chili sowie Pferde- und Putenleberkäse. Spektakulär natürlich immer der „Saison-Leberkas“, derzeit Steinpilz-Trüffel, den man allerdings nur wirklich gut gelaunt bestellen sollte, und zweifellos eine Klasse für sich der „Classic“, ein wahnsinnig gutes, rosiges, schmalzig-saftig-flaumiges Etwas mit zartbrotiger Rinde (alle € 1,65/100g).

Und auch super: Es gibt hier das knusprige Neufeldner „Hopferl“-Pils aus dem Mühlviertel. Und ich muss jetzt nicht mehr in Linz aussteigen, um eine Stunde lang Leberkäse zu essen. Kann ich jetzt auch hier.

Resümee:

Der vielleicht beste Leberkäse des Landes beschloss, fortan nicht mehr nur in Linz gegessen zu werden, sondern auch in Wien.

Leberkas-Pepi
1., Operng. 12, Tel. 01/585 06 42, Mo–Sa 9–2 Uhr, www.leberkaspepi.at


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