Shabby chic im Ratzenstadl

Premiere 2: Alvis Hermanis inszeniert am Burgtheater "Der Revisor" mit echten Hühnern


Rezension: Sara Schausberger
Feuilleton | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Eine Großküche irgendwo in einem kleinen Städtchen in Russland. Die Wände sind dreckig grün, die Fensterscheiben schmierig. Die resoluten Köchinnen tragen weiße Hauben, sie rühren, klopfen und schneiden im Rhythmus. Drei echte riesengroße Hühner der Rasse Brahma spazieren über die Bühne und picken im Takt des klappernden Geschirrs Körner vom Boden. Nach und nach erscheinen die Männer des Städtchens in der Gaststube, auch sie löffeln ihre Suppe im richtigen Takt.

Der lettische Regisseur Alvis Hermanis lässt sich Zeit für solche Spielereien. Fast fünf Stunden dauert seine Inszenierung von Nikolai Gogols Komödie "Der Revisor", mit der am vergangenen Samstag das Burgtheater die diesjährige Saison eröffnete.

Am Anfang wird vor allem geklopft, gerührt, gepickt und gelöffelt, bis der Bürgermeister (Michael Maertens) dem ganzen ein Ende bereitet und das Unheilvolle verkündet: Ein Finanzprüfer soll inkognito in die Stadt kommen. Da, wo geschmiert, gefälscht und bestochen

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