Enthusiasmuskolumne Diesmal: Die beste Popstar-Überraschung der Welt der Woche

Miley Cyrus hat etwas zu verschenken

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Oops! She did it again. Bereits 2013 waren die MTV Video Music Awards, die neben dem Grammy größte jährliche Sause im US-Musikbusiness, zur Miley-Cyrus-Show geworden. Der Ex-Disney-Kinderstar legte damals sein altes Image körperbetont zu den Akten und entdeckte die Hip-Hop-Göre in sich.

Heuer moderierte Miley die Liveshow. Kurzweilig, frech, charmant, schlagfertig und unberechenbar. In einem typischen Akt Cyrus'scher Individualanarchie gelang ihr sogar der subversive Schabernack, eine entblößte Brust ins Bild zu rücken. Beim furiosen Finale stellte die 22-Jährige dann ihre tolle neue Single "Dooo It" vor. Die knallbunte Performance mündete in der überraschenden Ankündigung, dass das zugehörige Album fertig und ab sofort gratis im Internet zu haben sei.

Seit 30. August ist "Miley Cyrus and Her Dead Petz" tatsächlich online, kommerzielle Veröffentlichung gibt es vorerst keine. Cyrus, einer der größten Mainstream-Popstars unserer Tage, brachte das mit über 90 Minuten Spielzeit völlig überbordende Album kurzerhand auf ihrem eigenen Label Smiley Miley Inc. heraus. Entstanden ist dieser lässige Brocken in Kooperation mit den PsychedelikpopVögeln The Flaming Lips. Was man ihm auch anhört: Tanzbare Beats sind die Ausnahme, stattdessen gibt es bekiffte Popschwelgereien, Chillout-Gekuschel unterm Regenbogen und digitale Spielereien; Lieder über Exfreunde, tote Lieblingshunde und die Rettung der Welt, dazu Grüße an Grace Jones und David Bowie und definitiv kein strenges Produzenten-Regelwerk.

In seiner ausfransenden Vielfalt mag das kein durchgehend fesselndes Album ergeben, ein prächtiger Spaß für zwischendurch ist es allemal. Ganz klar: Wir werden in den nächsten Jahren noch viel Freude mit Miley Cyrus haben.


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