Gelesen Bücher, kurz besprochen

Europas Flüchtlingsabwehrregime

Politik | Petra Sturm | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

"Migration verhindern und zugleich Menschen retten, das geht nicht", schreibt Heribert Prantl, Chef des Innenpolitikressorts der Süddeutschen Zeitung, in seiner schmalen, im Mai dieses Jahres erschienenen Streitschrift. Mit eindrücklichen und schonungslosen Worten zeigt Prantl in seiner Anklage auf, wie sich die europäische Politik in den letzten 25 Jahren in Abwehrund Abschreckungsmaßnahmen gegenüber Flüchtlingen erschöpft hat, statt zu handeln. Menschenrechte wurden ausgehöhlt, die Verantwortung systematisch an die Ränder Europas abgeschoben, Fluchtwege abgesperrt und so der Tod von Menschen in Kauf genommen. Er prangert eine EU an, die das Asylrecht verkommen lassen hat und mit Dublin III jene Staaten bestraft, die ihre Grenzen nicht völlig dichtgemacht haben. Die Abwehr von Flüchtlingen, so Prantl, war jahrelang der einzig funktionierende Teil der EU-Flüchtlingspolitik. Gemeinsames Ziel: dass möglichst wenige Menschen Europa erreichen. Prantl bringt auf 32 Seiten vieles auf den Punkt.

Seine Forderung an Europa: Migration endlich als zivilisatorische Notwendigkeit zu begreifen und danach zu handeln. Jetzt!

Heribert Prantl: Im Namen der Menschlichkeit: Rettet die Flüchtlinge! Ullstein, 32 S., € 3,99


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