Die Schwarten der Saison

Lesemarathonis haben diesen Herbst die Auswahl: 1021 Seiten Clemens Setz oder 832 Seiten Jonathan Franzen. Muss man da durch? Am Ende gar beide Romane lesen? Und wie stehen die Chancen auf ein "Reader 's High"?

Feuilleton | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Seit den "Korrekturen" ("The Corrections", 2001), die selbst Verächtern des inflationierten Genres Familienroman Hochachtung abrangen, gilt Jonathan Franzen als einer der wesentlichen literarischen Stimmen der US-Literatur in der Generation nach Philip Roth und John Updike. Mit "Freiheit" (2010), einem Gesellschaftsroman, der die Ära von Ronald Reagan bis Barack Obama durchmisst, hat er diese Position praktisch zur Markführerschaft ausgebaut: Franzen, das ist die Ein-Mann-Manufaktur für die Verfertigung der jeweils aktuellen "Great American Novel".

"Unschuld" setzt den eingeschlagenen Weg fort und verknüpft zahllose Handlungsfäden und Motive zu einem Netz, das von den einst leidenschaftlichen Sitzpinkeldebatten bis zur veganen Ernährung reicht und auch noch die angesagtesten Themen der unmittelbaren Gegenwart einfängt - Stichwort: "Social Media", "Wikileaks", "Big Data" et cetera. Und weil der Autor um seinen Status als Klassenbester weiß, kann er es sich leisten, kokett zu sein:


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