Von Manson bis Unterweger: die geliebten Mörder

Sie haben das schlimmste Verbrechen begangen und bekommen größte Aufmerksamkeit. Warum finden wir Menschen, die bestialische Taten begehen, so anziehend?

Feuilleton | Essay: Stefanie Panzenböck | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Seine grauen Haare hängen ihm wirr ins Gesicht, seine dunklen Augen blitzen die Journalistin an, die ihm im St.-Quentin-Gefängnis in den USA gegenübersitzt. Ob er bereue? Es gäbe nichts, was er zu bereuen habe, sagt Charles Manson. Außer, dass er nicht mehr Leute umgebracht habe, vielleicht drei- oder vierhundert. Gerade ist Mansons neue Autobiografie erschienen, die im Jahr 1994 der Anlass für das NBC-Interview ist.

Als der Moderator den Beitrag ankündigt, weist er darauf hin, dass man sich in der Redaktion nicht einig war, ob man dem Mörder und Sektenführer Charles Manson wirklich so viel Öffentlichkeit verschaffen sollte. Am Ende habe man sich dafür entschieden.

In dieser Geschichte gewinnen alle. Die Fernsehanstalt, die mit einer hohen Zuschauerzahl rechnen kann, und Charles Manson, der das bekommt, was seine einzige Währung ist: Aufmerksamkeit. Die, die dafür mit ihrem Leben bezahlten, Mansons Opfer, sind allenfalls ein Randthema.

Das Geschäft mit Mördern, die aufsehenerregende


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