Don't believe the hype!

Kritiker geißeln die Folgen des Marktbooms. Aber war die Kunst nicht immer schon kommerziell? Und ist das Geld wirklich so mächtig?

Feuilleton | Kommentar: Matthias Dusini | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Kunst ist eine Währung. Die Website Art Rank errechnet den Marktwert von Künstlern durch einen Algorithmus. Art-Rank-Betreiber Carlos Rivera, ein 28-jähriger Kalifornier, füttert den Rechner mit Daten über Ausstellungsbeteiligungen und Auktionsergebnisse. Die Software empfiehlt dann in der Kategorie "Kaufen" bestimmte Namen, etwa Oscar Murillo oder Danh Vō. Pech für den Wiener Shootingstar Christian Rosa, der unlängst noch als heißer Tipp gehandelt wurde. Inzwischen ist er in die Kategorie "Abstoßen" abgerutscht.

Spekulation ersetzt Kontemplation: Rund 15 Jahre nach Beginn des Marktbooms nimmt die Kontroverse über den verderblichen Einfluss des Geldes auf die zeitgenössische Kunst wieder an Fahrt auf. Bücher mit polemischen Titeln wie "Geld frisst Kunst" vermitteln den Eindruck, als hätten sich die Kunsttempel in Consultingbüros für Wertanlagen verwandelt.

"Die zeitgenössische Kunst ist zum Vorbild einer alle Gesellschaftsbereiche durchdringenden Finanzialisierung geworden",


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