Ein Fest, das an die Grenzen geht

Beim Spielzeitauftakt zur Intendanz von Iris Laufenberg zeigt das Schauspielhaus gleich 13 Uraufführungen

Steiermark | Donja Noormofidi | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Iris Laufenberg tritt ihr Amt als Chefin des Grazer Schauspielhauses an, das Eröffnungsfest wird dabei ziemlich grenzwertig - allerdings im besten Sinn. Zum Thema "Grenzgänge" haben nämlich gleich 14 Autoren Kurzstücke verfasst, die alle zur Saisoneröffnung am Samstag uraufgeführt werden, darunter Stücke von Thomas Arzt, Clemens Setz, Ferdinand Schmalz und Nicoleta Esinencu, aber auch Vertreter der älteren Generation wie Peter Turrini sind dabei.

Das Thema Grenzen ist hochaktuell, und das gilt auch für viele Beiträge zum Fest: So findet in Rob de Graafs Stück "Can I work now?" der Fernfahrer Storm einen Flüchtling in seinem Lastwagen. Seine Frau beschließt, den illegalen Zuwanderer bei sich aufzunehmen. "In dem Stück geht es nicht um den abstrakten, sondern um den sehr realen und persönlichen Flüchtling und die Frage: Was passiert, wenn er plötzlich in meinem Wohnzimmer steht?", erzählt Nina Gühlstorff, die das Eröffnungsfest konzipiert hat und selbst fünf Kurzstücke inszeniert. "Dann kann man die Schuld nicht mehr auf die Politik schieben, sondern muss sich fragen, was man selber macht." Beim Eröffnungsfest können die Besucher auch für Flüchtlingsprojekte spenden.

Nicht alle Stücke kommen aber so ernst daher: "Keiner muss Angst haben, dass er total deprimiert das Eröffnungsfest verlässt," sagt Gühlstorff. Es geht auch um positive Grenzen, die man setzen muss, und um den Reiz von Grenzüberschreitungen, dabei gebe es auch lustige Beiträge, verspricht Gühlstorff. Im Beitrag von Moriz Rinke und Mario Salazar machen sich etwa sechs junge Leute in einem Kleinbus auf den Weg nach Jerusalem. Die Kulturwissenschaftlerin Martha betrachtet die Tour als Bildungsreise, während Mitfahrer Daniel vor allem seine Exfreundin zurückerobern will. Schon vor Wien beginnt die Reisegruppe zu streiten und verfährt sich. "Eine zynische Farce auf die Ignoranz gegenüber dem Politischen", erklärt Gühlstorff.

Beim Eröffnungsfest werden die Besucher auf verschiedenen Parcours durch das Haus geführt und können je nach Gruppe eine bestimmte Auswahl an Stücken sehen, bevor wieder alle auf der Bühne zusammentreffen. Dort wird auch das neue Ensemble präsentiert, Laufenberg bringt aus Bern einen Teil ihrer Schauspielfamilie mit.

Dem Publikum werden übrigens beim Eröffnungsfest keine Grenzen gesetzt, es kann das Haus erobern und dabei auch Räume entdecken, in die das Publikum normalerweise nicht vordringt. So werden etwa auch die Schlosserei und die Schreinerei des Schauspielhauses bespielt.

Schauspielhaus Graz, Sa 14.00 und 19.00


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