Über den Schlächter und sein Gelächter

Der deutsche Literaturwissenschaftler Klaus Theweleit über lachende Mörder und die Tötungsinszenierung des Islamischen Staats

Rezension: Marianne Schreck | Politik | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Frauen fließen. Männer schießen" - unter diesem Titel verfasste der ehemalige Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein 1977 jenen Artikel, der für den Literaturwissenschaftler Klaus Theweleit mediales Katapult zum Pop-Phänomen wurde. In "Männerphantasien" ging er der Frage nach, welche Gewaltfantasien die Freikorps-Literatur der 1920er-Jahre prägten. Freikorps nennt man jene paramilitärischen Einheiten, die aus ehemaligen Frontsoldaten des Ersten Weltkrieges rekrutiert wurden und von einer extrem restaurativen Haltung durchdrungen waren. Theweleits Sukkus aus alldem: Frauen sind überwiegend Opfer des von Gewalt geprägten patriarchalen Systems und eingekeilt in die beiden zutiefst repressiven moralisch-sexuellen Kategorien "rein" oder "geil".

In den 1970er-Jahren schien sein Werk einen gesellschaftlichen Nerv zu treffen, sich (als Mann) den eigenen destruktiven Seiten zu stellen, womit eine Art Erlösungsgedanke der intellektuellen Linken von im Unbewussten abgelagerten NS-Ideologie-Relikten

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