Film Neu im Kino

Historischer, politischer, philosophischer Western

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Die Kamera schwebt über einer kargen Hügellandschaft, findet ein einsames Haus, verharrt darüber in der Ferne, während Kinder dem Gebäude wie Ameisen zustreben. Es ist die Schule Darus (Viggo Mortensen, der im Original Französisch und Arabisch spricht), eines in Algerien geborenen Pied-noirs mit spanischen Wurzeln, der im Hochland des Atlasgebirges Bauernkindern das Lesen und Schreiben beibringt.

Darus Ruhe wird gestört, als ein Gefangener in sein Haus gebracht wird: Der Lehrer soll Mohamed (Reda Kateb), einen Bauern, der seinen Cousin ermordet hat, nach Tinguit bringen, wo ihm der Prozess gemacht werden wird. Daru will diese Aufgabe jedoch nicht übernehmen und ermuntert Mohamed zur Flucht. In der Tradition der Blutrache gefangen möchte dieser allerdings an die Franzosen ausgeliefert werden. Widerwillig macht Daru sich mit ihm auf den Weg.

David Oelhoffen orientierte sich für "Den Menschen so fern" am Genre des Western: Zwei grundverschiedene Männer müssen sich auf ihrer gefährlichen Reise zusammenraufen. Mit seinem historischen Hintergrund - Daru und Mohamed treffen nicht nur auf Mohameds rachsüchtige Cousins, sondern geraten auch zwischen die Fronten von Arabern und Franzosen im beginnenden Unabhängigkeitskrieg des Jahres 1954 -ist "Den Menschen so fern" aber auch eine Reflexion über den Krieg und hat nicht zuletzt einen philosophischen Kern: Albert Camus' Novelle "Der Gast", auf der der Film (mit Abweichungen und Ausschmückungen) beruht, stellt im Geiste des Existenzialismus dar, dass es keine wirklich neutrale Position geben kann und der Mensch zu einer Wahl gezwungen ist.

Ein langsam gleitender, nachdenklicher Film in wunderschöner Landschaft mit einem Soundtrack von Nick Cave und Warren Ellis.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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