Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Pop

The Libertines: Anthems for Doomed Youth

Vor gut zehn Jahren waren Pete Doherty und Carl Barat junge Männer, die sich sorglos in Exzesse stürzten und als The Libertines mithilfe einer starken Rhythmussektion und The-Clash-Mann Mick Jones als Produzenten zwei großartige Alben aufnahmen. Ein Zerwürfnis und viele Entzugskliniken später haben sich die beiden Sänger und Gitarristen wieder zusammengerauft. Ihre Wunden tragen sie in den neuen Songs mit Würde, alles klingt etwas weniger schief und wild als früher, aber mitunter ziemlich anrührend. (Universal) SF

Pop

Beirut: No No No

Zach Condon war noch ein Teenager, als er Mitte der Nullerjahre "Gulag Orkestar" erarbeitete, sein Debüt unter dem Pseudonym Beirut. Es sollte den jungen US-Folkie mit dem Faible für die Klänge des Balkans zu einer Wehmutsinstanz im Pop der Nullerjahre machen. Nach längerer Veröffentlichungspause und einer Burnout-Auszeit meldet Condon sich nun erfreulich entspannt zurück: Die neun in schlanker Besetzung eingespielten, kompakt angelegten Songs prägt, bei aller Emotionalität, eine große Leichtigkeit. (4AD) GS

Jazz

Yaron Herman: Everyday

Vor allem im klassischen Trio-Format hat sich der heute 34-jährige Israeli als herausragender Pianist in der Jarrett-Mehldau-Linie erwiesen. Sein jüngstes Album bietet den vertrauten Mix aus Romantik und Rasanz und ein breites Spektrum zwischen introvertierten Solo-Etüden und Stücken, bei denen Herman mit Drummer Ziv Ravitz auf abstrakte Improvisation und perkussive Attacke setzt oder sich an einer Popballade versucht. Zu einem stimmigen Album führt die etwas prätentiöse Vielfalt freilich nicht. (Blue Note) KN


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