Kommentar Medien 2

Geisterzug! Nazigold!! Finderlohn!!! Waldbrand!?

Falter & Meinung | Josef Redl | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Wie das alles angefangen hat, lässt sich nicht mehr so genau rekonstruieren. Um übertriebene Faktentreue soll es hier aber auch nicht gehen. Irgendwann vor ein paar Tagen vermeldete irgendein polnisches Newsportal die Sensation: Zwei Schatzsucher hätten einen "gepanzerten deutschen Zug" gefunden. In einem Stollen nahe der polnischen Stadt Walbrzych. Den genauen Standort wollten die Abenteurer aber nur gegen die Zusicherung eines Finderlohns verraten.

Denn eines war sofort klar: Der "gepanzerte deutsche Zug" ist voll mit "Nazigold". Seitdem erfährt man täglich neue Details aus Walbrzych. Rund um dieses mittlerweile sagenhafte niederschlesische Städtchen (dessen Wikipedia-Eintrag übrigens die Jahre 1939 bis 1945 ausspart) haben die Nazis - so schreibt die internationale Presse - ein weitläufiges System an Stollen angelegt, um die Rüstungsindustrie unter Tage verlegen zu können. Die Katakomben locken "seit vielen Jahren Schatzjäger" an. "Niemand konnte jemals die Existenz dieses Zuges beweisen", verrät eine "Expertin".

Bis heute. "Ich habe die Georadarbilder gesehen, und das sieht in der Tat wie ein Panzerzug aus", sagt ein hochrangiger polnischer Beamter, der offenkundig schon Panzerzugradarbilder gesehen hat.

Zuletzt hat sich die Lage zugespitzt, weshalb Die Welt die Welt mit dieser Schlagzeile beschenkt hat: "Feuer im Wald mit dem Nazi-Zug voll Gold". Wie mehrere Quellen gleichlautend berichten, sollen aber nur läppische 200 Quadratmeter Wald gebrannt haben. Vielleicht ein Ablenkungsmanöver? Egal, wir bleiben dran.

Nächste Woche: Wie das Bernsteinzimmer in den Speisewagen eines gepanzerten Zugs mit Nazigold kam.


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