Meinesgleichen

Wollte Leon Zelman wirklich kein Haus der Geschichte?

Falter & Meinung | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Die Debatte zum Haus der Geschichte macht in diesem Falter eine durch unabweisbare Aktualitäten (siehe oben) bedingte Pause. Nicht ganz. Denn zumindest eines kann hier klargestellt werden. Auf Twitter hatte Peter Rabl am 23. August recht apodiktisch behauptet: "#falter irrt: Leon Zelman wollte nie ,Haus der Geschichte' sondern ,... der Toleranz' mit völlig anderem Konzept als jetzt geplant". Das ist richtig und falsch zugleich. Zelman wollte sehr wohl ein Haus der Geschichte. Im Nachwort zur zweiten Auflage seiner von mir mit ihm gemeinsam verfassten Lebensbilanz "Ein Leben nach dem Überleben" heißt es wörtlich:

"Ich hatte die Idee gehabt, aus dem 1868-1871 von Theophil Hansen von Gustav Ritter von Epstein erbauten Haus ein Haus der Geschichte, ein Haus der Toleranz zu machen." Zelman hatte beides im Sinn, Geschichte und Erziehung. "Als zentral gelegener, mit Geschichte aufgeladener Ort schien mir das Palais Epstein wie geschaffen dafür, den Anteil der Wiener Juden an der Geschichte dieser Stadt zu dokumentieren, aber auch einen Ort zu schaffen, wo junge Generationen ,mit Formen von Ausgrenzung, Konflikten und Intoleranz konfrontiert werden', wie das der Politologe Anton Pelinka ausdrückte." Zelmans Vorbild war das Jerusalemer Gedenkzentrum Yad Vashem, insofern hat Rabl Recht. Aber genau das verstand Zelman als Haus der Geschichte. Was nur zeigt, wie viele Arten es gibt, einen Ort österreichischer Selbstfindung zu definieren. Grund genug für eine Debatte.

Quelle:

Armin Thurnher: Leon Zelman - ein Leben nach dem Überleben, Kremayr & Scheriau, 2. Auflage 2005, Seite 215 f.


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